Büchel 65 – ein Tag Mahnwache am Atomwaffenstandort

Mitglieder der IPPNW Bremen organisierten am 15. April eine Blockade im Rahmen von Büchel65. Foto: buechel-atomwaffenfrei.de

Mitglieder der IPPNW Bremen organisierten am 15. April eine Blockade im Rahmen von Büchel65. Foto: buechel-atomwaffenfrei.de

Am 15. April trafen sich drei Bremer IPPNW-Ärzt_Innen und die Hütehündin Momo am Haupttor des Bundeswehr-Fliegerhorstes Büchel, um einen Tag lang den Abzug der dort gelagerten US-Atombomben und die weltweite Ächtung der Atomwaffen anzumahnen. Um 7:00 Uhr morgens empfing uns Carsten Orth im Protestcamp der Aktion Büchel65 gegenüber dem Haupttor. Er ist ein ehrenamtlicher Friedensaktivist, der zum fünften Mal die Protestaktionen in Büchel mitorganisiert. Er war der „gute Geist“ unserer Mahnwache, half beim Aufbau unserer Transparente und unseres Standes zwischen dem Verkehrskreisel vor dem Haupttor und einer winzigen Kapelle, die der Heiligen Barbara gewidmet ist, der Schutzpatronin u.a. der Ärzte.

Der Besucherparkplatz vor dem Haupttor des Fliegerhorstes war durch einen Bauzaun gegen Eindringlinge geschützt. Die Einfahrt wurde durch vier junge Polizist_Innen bewacht, die uns im Blick hatten. Auf einer kleinen Wiese am Verkehrskreisel waren zwei Mannschaftswagen der Polizei abgestellt, in denen weitere Polizisten saßen. Ein Bundeswehrmannschaftswagen mit Soldaten war unweit der Bauzaunpforte auf dem Besucherparkplatz des Fliegerhorstes postiert.

Zwischen 7:00 und 9:30 Uhr passierten uns viele Angestellte und Soldaten in Privat- und Dienstfahrzeugen auf dem Weg zur Arbeit im Atomluftwaffenstandort. Die meisten Insassen fuhren an uns ohne sichtliche Regung vorbei; einige nickten uns ermunternd oder auch belustigt zu. Zwischen 15:00 und 17:00 Uhr strömten sie nach Dienstschluss in entgegengesetzter Richtung an uns vorbei. Zwei Fußgänger gesellten sich im Laufe des Tages zu uns. Ein Polizeioffizier in Zivil äußerte sein Entzücken über Momo und fotografierte sie. Eine einheimische Friedensaktivistin erkundigte sich über die IPPNW und berichtete uns über ihre eigene Blockadeaktion. Sie erzählte uns von der Apothekerin Dr. Elke Koller, die 3,5 km vom Atomwaffenlager entfernt wohnt. Sie habe gegen die Lagerung vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt, da diese niemals angemeldet und genehmigt worden sei. Demzufolge gibt es im Landkreis auch keinen Katastrophenplan für einen Strahlenunfall. Somit sei die Lagerung gesetzeswidrig.

Wir hatten Glück mit dem Wetter, den ganzen Tag über war es sommerlich warm. Wir stellten uns bei den Polizist-Innen vor, boten ihnen ICAN-Flyer an. Sie interessierten sich für unsere Berufe, unsere Motive und unsere Hündin. Während unserer Mahnwache starteten ca. 20 Tornados. Das war für uns und insbesondere Momo ein gewaltiger Stress. Abwechselnd besuchten wir Carsten im Protestcamp, 100 m entfernt auf einer Gemeindewiese. In seinem Wohnwagen hat er einen Computer mit Internetanschluss. Er hält die Homepage von Büchel65 auf dem neuesten Stand. Im Camp gibt es ein großes Gemeinschaftszelt mit Biertischen und -bänken, ein Kochzelt, Grillplatz, Feuerstelle, Liegestühle, zwei Komposttoiletten und weitere Wohnwagen und Zelte von Wochenendfriedensaktivisten. Wir hätten dort auch zelten können.

Von Carsten erfahren wir, dass im Fliegerhorst 250 Bundeswehrsoldaten die Düsenkampfflugzeuge und ca. 20 Atombomben warten und den Abwurf üben. Die Bomben sollen von den Amerikanern modernisiert werden, indem sie digitale Steuerungs- und Dosierungssysteme bekommen. Auf meine Frage, wie er sich seelisch als Vollzeit-Friedensaktivist im Gleichgewicht hält, erzählt er von seiner anstrengenden Berufstätigkeit als selbstständiger Tischler. Abends habe er sich über die TV-Nachrichten geärgert und sei über einem Bier eingeschlafen. Jetzt fühle er sich als ehrenamtlicher Friedensaktivist besser, obwohl er keine finanzielle Sicherheit mehr habe. Er suche Unterstützer_Innen, die ihm monatlich einen Betrag spenden. Link: www.comm-ev.de

Um 17:00 Uhr verließen wir unseren Platz vor dem Bauzaun, packten unsere Utensilien in den VW-Bus und setzten uns mit Carsten zusammen, um den Tagesbericht zu erstellen. Dann bedankten wir uns herzlich und verabschiedeten uns. Amei und Peter fuhren zu ihrer Tochter nach Köln, ich mit Momo nach Mertloch, 25 km östlich von Büchel zu Schwägerin und Schwager. Meine Schwägerin hat dort ihre Kindheit verbracht und ist vor ein paar Jahren mit ihrem Mann in ihr Elternhaus zurückgekehrt. Beiden war bis zu meinem Besuch nicht bekannt, dass auf dem Fliegerhorst ca. 20 Atombomben mit 26-facher Hiroshimabombenstärke lagern. Sie wollen das Protestcamp der Aktion Büchel65 besuchen und auch Kontakt zu Frau Dr. Elke Koller aufnehmen.

Weitere Infos zur Aktion www.buechel-atomwaffenfrei.de/buechel65

IPPNW-Arzt Stefan Kette beteiligte sich mit Mitgliedern der Regionalgruppe Bremen an der Kampagne „Büchel 65“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.