Den Frieden leben: Das Welttreffen der NobelpreisträgerInnen

Tawakkol Karman und Dr Shirin Ebadi auf dem Weltkongress der Friedensnobelpreisträger

„Schiiten und Sunniten, wir sind alle nur Menschen, da machen wir keine Unterschiede.“ Tawakkol Karman und Dr. Shirin Ebadi auf dem Nobelpreisträgertreffen in Rom. / Foto: Noah Ayadi

Vom 11.-14. Dezember 2014 fand in Rom der 14. Weltkongress der Friedensnobelpreisträger mit dem Thema „Peace. Living it!“ statt. Da die IPPNW 1985 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, gab es für Studierende der IPPNW die Möglichkeit, daran teilzunehmen und in Podiumsdiskussionen und Workshops mit den NobellaureatInnen über eine friedlichere Welt zu diskutieren. Der Kongress hätte ursprünglich in Südafrika stattfinden sollen, aber nachdem die südafrikanische Regierung dem Dalai Lama auf Drängen von China kein Visum erteilt hatte, wurde der Kongress nach Rom verlegt. Dort kamen mehrere hundert Menschen zusammen: Nobelpreisträger, Mitglieder der Preisträgerorganisationen, RegierungsvertreterInnen, Studierende, SchülerInnen und natürlich VertreterInnen der Presse.

Etwa 20 IPPNW-Studis, ein Großteil davon deutsche Mitglieder, nahmen die Chance wahr, an den Workshops und Diskussionen teilzunehmen und begegneten in Rom beeindruckenden Persönlichkeiten wie eben dem XIV. Dalai Lama, Leymah Gbowee, Tawakkol Karman oder Jody Williams – allesamt FriedensstifterInnen, die die Welt verändert haben – FriedensstifterInnen, die vorweg gehen, um die Welt auch weiterhin zum Positiven zu verändern – FriedensstifterInnen, die uns alle motivieren, ihrem Beispiel zu folgen und uns gegen gewaltsame Konflikte und für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen.

Leymah Gbowee zum Beispiel ist eine liberianische Aktivistin, die das Leiden, v.a. der Kinder ihres Landes, während des zweiten liberianischen Bürgerkrieges, nicht mehr aushielt und sich entschloss, weitere Frauen zusammenzutrommeln und friedlich gegen den Krieg und die unglaublichen Gräueltaten zu demonstrieren. Mit ihrer Willensstärke und ihrer Durchsetzungsfähigkeit trug sie maßgeblich zum Friedensprozess bei und strahlt auch heute noch bei ihren Reden eine immense Kraft aus. Diese Kraft und der Wille, auch schwierige Situationen zu meistern und durchzustehen, ist etwas, was sich jeder in seiner Welt zu Herzen nehmen kann und wovon er profitiert.

Ein weiterer prägender Auftritt war der von Dr. Ira Helfand, dem IPPNW- Ko-Präsidenten, der so anschaulich die Folgen eines Atomkrieges darzustellen vermochte, dass er mit Standing Ovations bedacht wurde. Im Angesicht eines neuen Vorstoßes der österreichischen Regierung, die zugesagt hat, einen bindenden Vertrag für die Abschaffung von Atomwaffen zu initiieren, scheint es tatsächlich möglich, diese Massenvernichtungswaffen aus den Arsenalen der Großmächte zu verbannen. Die Atommächte (und auch Deutschland) stehen hier allerdings noch für eine sehr regressive Politik, könnten aber durch nationalen und internationalen Druck nach und nach zum Umdenken gebracht werden.

Ein ganz besonderer Moment, der jedem Teilnehmer in Erinnerung bleiben wird, war schließlich auch die symbolische Versöhnung von Schiiten und Sunniten in Person der iranischen Menschrechtsanwältin Dr. Shirin Ebadi und der jemenitischen Journalistin Tawakkol Karman: „Schiiten und Sunniten, wir sind alle nur Menschen, da machen wir keine Unterschiede. Und Frieden und Freiheit sind universelle Menschenrechte!“, proklamierten die beiden Frauen unisono unter Tränen und Standing Ovations des Publikums. Während der Reden wurden die Nobelpreisträger auch nicht müde, die Jugend einzubeziehen und zu betonen, dass jede Arbeit, die zum Frieden beiträgt, und sei sie auch noch so klein, nicht unbedeutend ist und es wert ist, sie zu verfolgen. „Seid der Wandel, den ihr in der Welt sehen wollt“ – so das von Mahatma Gandhi geprägte und am Wochenende häufig zitierte Credo des Kongresses.

Vincent Gaertner ist Studierendensprecher der deutschen Sektion der IPPNW.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.