Die IPPNW-Woche in Büchel

Aktion vor dem Haupttor im Rahmen der IPPNW/ICAN-Protestwoche in Büchel 2018, Foto: Carsten Orth

Bei den Tagen der Aufklärung im Rahmen der IPPNW-Protestwoche in Büchel schwärmten IPPNW-Ärzt*innen mit Informationsmaterial in die Kleinstädte Kaisersesch, Ulmen und Brauheck aus, dort, wo viele Beschäftigte mit ihren Familien wohnen. Nicht wenige Menschen konnten wir in Gespräche verwickeln. Dabei stellte sich heraus, dass viele den Abzug der Atomwaffen durchaus befürworten, aber skeptisch sind, ob er überhaupt durchsetzbar ist. „Die da oben machen doch das, was sie nur wollen“ oder „Wir können doch nichts machen“ war eine häufige Reaktion. Nur wenige befürworten die Existenz von Atomwaffen in Büchel. Einige freuten sich, dass wir vor Ort präsent sind. Aber gemeinsam vor dem Haupttor zu demonstrieren, wagen nur die wenigsten aus der Region.

In Ulmen suchten wir den dortigen Bürgermeister in seinem Rathaus auf und animierten ihn zum Beitritt der Mayors for Peace. Er bat um weitere Informationen zu dieser Organisation. Am Freitag abend fuhren wir gemeinsam nach Mayen, wo Ann Sullentrop aus Kansas City (USA) von der Allianz für atomare Verantwortung von ihrem Kampf gegen die Atomwaffen berichtete. In ihrer Heimatstadt werden Teile der neuen Atombombe B61-12 zusammengebaut, die in Büchel stationiert werden soll. Dafür wird eine große neue Nuklearfabrik gebaut.

Die „Alliance for Nuclear Accountability“ ist ein Netzwerk von über 30 Basisgruppen, u.a. auch Ortsgruppen der „Physicians for Social Responsibility“, der amerikanischen Schwesterorganisation der IPPNW. Ann leitet eine dieser Ortsgruppen in ihrer Heimatstadt. Trotz der großen Umweltprobleme und Verstrahlung mit radioaktiven Teilchen wehren sich nur wenige Menschen aktiv gegen die ständige Bedrohung. Auch dort ist der Erhalt von Arbeitsplätze ein wichtiges Argument. Die Methoden, den Widerstand beharrlich zu verbreitern sind ähnlich wie bei uns: Lobbyarbeit, Aufklärung, Recherchen und Akltionen. Uns gegenseitig Mut zuzusprechen und gemeinsam den Widerstand gegen diese einzigartige Bedrohung zu organisieren, war Resümee des Abends.

Einen würdigen Abschluss fand diese Woche mit über 20 Personen vor dem Haupttor: Angelika Claußen, Präsidentin der IPPNW Europa, erinnerte daran, dass das friedenslogische Denken und Handeln sehr viel mehr Sicherheit für die Menschheit bringt als das meist auf militärischer Gewalt beruhende sicherheitslogische Denken.

Es seien die unterschiedlichsten Menschen: Aktivist*innen und Wissenschaftler*innnen, junge Menschen mit viel Elan und Kraft und alte Menschen mit langjährigen Erfahrungen und Wissen, Frauen wie Männer, die in der Friedensbewegung auf Stärke und gegenseitigen Respekt bauen und eine Kraft entwickeln könnten, die schließlich die atomare Bedrohung überwinden helfe. Zum Schluss wies sie noch auf die Atomenergie hin, die ein Zwilling der Atomwaffen darstelle: „Alle Staaten, die Atomwaffenstaaten wurden, haben zunächst Atomkraftwerke und andere atomtechnische Anlagen gebaut. Alle Atomwaffenstaaten, ohne Ausnahme, sind nur allzu bereit, ihre Atomtechnologie, die angeblich so friedlich sein soll, weiter zu verkaufen, für viel Geld. Gronau und Lingen sind in Deutschland die noch unbefristeten Produktionsstätten, die weltweit den Brennstoff für die tödliche Atomtechnologie, ob militärisch oder zivil liefern. Wenn an der Atomtechnologie festgehalten wird, hat das niemals wirtschaftliche Gründe sondern militärische Gründe, um den Großmachtstatus zu erhalten“, sagte sie.

Dieses atomare Desaster wurde dann noch anschließend in einer Lesung aus dem Kinderbuch „Emmy und der Kern der Dinge“ von Sybille Tetsch konkret. Im Irak-Kapitel wird festgestellt, dass die NATO-Staaten USA und Großbritannien die atomaren Massenvernichtungsmittel in Form von DU-Munition in den Irak gebracht haben und tausende Kinder und Familie verstrahlt haben. Am Ende wurde mit dem gemeinsamen Ulmentanz und dem gemeinsamen Singen von Liedern, die Ann Sullentrop mit ihrem Saxophon begleitete, ein hoffnungsvoller und ermutigender Abschluss vor dem Atomwaffenstandort Büchel gewagt.

Diese Woche war voller verschiedener bunter Aktivitäten. Wir Ärzt*innen haben in der Region ein Zeichen gesetzt, das auch in der Region wahrgenommen wurde. Alle, die hier waren, haben gespürt, dass es mit dem Widerstand gegen die tödliche atomare Gefahr weitergehen muss, haben Mut geschöpft und sich vorgenommen, im nächsten Jahr wieder zu kommen, und noch jemanden mitzubringen. So wächst unser Widerstand langsam aber sicher und wird eines Tages nicht mehr totgeschwiegen werden. Noch kann keine abschließende Bilanz gezogen werden, weitere Aktivitäten von anderen Gruppen und Organisationen sind geplant.

Hier eine Auswahl. Zu den bis zum 9. August bevorstehenden Terminen gehören:

• 7.7. Aktionstag von Christ*innen aus mehreren ev. Landeskirchen, u.a. mit dem Friedensbeauftragten des Rates der EKD Renke Brahms
• 10.-18.7. International Action Camp der GAAA und Internationales Mutlanger Jugend-Workcamp
• 12.7. Esslinger Friedensbündnis
• 18.-22.7. DKP und SDAJ
• 21.-24.7. Quäker
• 23.7. Netzwerk Friedenssteuer
• 27.-29.7. Yoga-Wochenende
• 3.8. „Freischwimmen von Atomwaffen“
• 4.8. Friedensforum Duisburg und AntiAtom-Bündnis Niederrhein
• 6.8. Abgeordnete aus Rheinland-Pfalz (noch in Planung!)
• 7.8., 15-17 Uhr Friedensfreund*innen Eifel
• 7.-9.8. Netzwerk Friedenssteuer
• 8./9. 8. Nagasaki-Gedenktag: Ende der Fastenaktion und Andacht,
Internationaler Versöhnungsbund mit Pfarrer Dr. Matthias Engelke

Wer in diesem Jahr noch nach Büchel kommen will, kann sich gerne einer dieser Gruppen anschließen. Ansonsten sehen wir uns im nächsten Jahr (wieder)!!!!

Ernst-Ludwig Iskenius

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