Medact auf der Stop Trident-Demonstration

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Medact-Banner auf der Stopp Trident-Demonstration am 27. Februar 2016 in London. Foto: Medact.org

Am 27. Februar 2016 nahmen Mitglieder und Unterstützer von Medact an der #StopTrident-Demonstration in London teil, um auf die medizinischen und humanitären Konsequenzen von Atomwaffen hinzuweisen. Nach Angaben von Medact nahmen an der Demonstration ca. 20.000 Menschen teil, andere Medien sprechen von 60.000 bis hin zu 70.000 TeilnehmerInnen. Frank Boulton und Ben Clavy, die Autoren dieses Blogs, erklären warum sie auf die Straße gegangen sind und warum sie Mitglieder der Arbeitsgruppe Atomwaffen von Medact sind.

Niemals werde ich den Samstag den 27. Februar 2016 vergessen, als ich zusammen mit Medact-Mitgliedern am Stop-Trident-Marsch teilnahm. Ich war einer von ca. 20.000 Menschen auf den Straßen Londons, um gemeinsam gegen die Pläne der Regierung zu protestieren, das Atomwaffensystem für über 100 Milliarden Pfund (knapp 128 Milliarden Euro) zu erneuern.

Das letzte mal, als ich so etwas machte, war es im Jahr 1963 auf einer Demonstration der CND (Kampagne für die nukleare Abrüstung) von Aldermaston zum Trafalgar Square. (Aldermaston ist ein Ort in Südengland und ehemaliger Stützpunkt der Royal Army im Zweiten Weltkrieg, seit 1950 Standort des Atomic Weapons Establishment. Anmerkung der Übersetzerin). Damals war ich ein Medizinstudent an einem Londonder Krankenhaus und fühlte mich noch sehr allein mit der dunklen Vorahnung, was für entsetzliche Konsequenzen die Kubakrise ein paar Monate zuvor hätte haben können.

Als ich damals marschierte, hatte Harold Macmillan, der konservative Premierminister gerade mit den Amerikanern zusammen Polaris, den Vorgänger von Trident, beschlossen. Für die tausenden Einwohner der Chagos Inseln bedeutete das die Zwangsräumung. Die Labour-Party hatte soeben Harold Wilson zu ihrem Vorsitzenden gemacht – dieser war ein Gegner des Atomwaffenprogramms.

Heute sind es globale Probleme, die uns beschäftigen: der Klimawandel, die geradezu grotesk ungleich verteilten Ressourcen und die Flüchtlingskrise. Und gerade jetzt beschließt das Vereinigte Königreich ein milliardenschweres Programm für Massenvernichtungswaffen – Mittel, die man auch verwenden könnte, um globale Probleme anzugehen. Außerdem wird der heutige Fortschritt von Technik und Kommunikation unter anderem dazu führen, dass die Tridents-U-Boote nicht mehr von den Radaren verschwinden.

Also war ich sehr erfreut, am Samstag so viele besorgte und gut informierte Medizinstudenten auf der Straße anzutreffen, die gegen Atomwaffen protestierten. Diese bergen eine große Gefahr für Großbritannien und die Welt, und verschlingen Geld, mit dem man besser den hoffnungslos unterfinanzierten National Health Service aufstocken sollte.

Vor 50 Jahren sagten einige, heute würde es uns nicht mehr geben. Nun, hier sind wir und immer noch besorgt über existenzielle Bedrohungen für die Menschheit und unseren Planeten, tragen wir die Sorge für das globale Überleben weiter in unseren Herzen. Wir kennen die Lösungen für die Bedrohungen, denen wir gegenüber stehen, und wissen, dass sie mit dem entsprechenden Willen aus der Politik erreicht werden können. Deswegen müssen wir alle im Gesundheitswesen unsere Stimme erheben und unser Wissen und unsere Expertise nutzen um zu kämpfen und Lobbyarbeit zu betreiben für den Wandel.

Frank Boulton ist Gründungsmitglied der Medizinischen Kampagne gegen Atomwaffen, der Vorgängerorganisation von Medact. Seine Expertise bezieht sich sowohl auf die klinische als auch auf die universitäre Medizin. Bis er 2007 seine Arbeit beim britischen National Health Service niederlegte und in Rente ging, hatte er den Vorsitz in zwei Nationalen Komitees für Versorgungsstandards inne, war Präsident der Britischen Gesellschaft für Blutkonserven und klinischer Berater für Bluttransfusionen der Britischen Streitkräfte.

Letzten Samstag verbrachte ich den Nachmittag mit einer großen Gruppe von Medact-Mitgliedern und – MitarbeiterInnen sowie tausenden weiteren Menschen als Teilnehmer der größten Anti-Trident-Demonstration unserer Generation. Die Energie war ansteckend und der Teamgeist groß.

Das britische Atomwaffenprogramm „Trident“ und Atomwaffen generell sind weltweit die Waffen mit der größten Zerstörungskraft. Trident besteht aus vier U-Booten, die mit insgesamt 160 atomaren Sprengköpfen bestückt sind. Ein solcher Sprengkopf allein birgt die vierfache Sprengkraft der Bombe, die über Hiroshima abgeworfen wurde. Diese eine Bombe tötete rund 140.000 Menschen, darunter 90 Prozent der Ärzte und Krankenschwestern in Hiroshima und verursachte weitreichende und lang anhaltende Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung, wie zum Beispiel Krebs. Ich denke, die einzige Möglichkeit, uns alle vor einer solchen Tragödie zu schützen, ist die multilaterale Abrüstung. Und Großbritannien sollte Vorreiterin sein bei der Verschrottung dieses Monsters namens Trident.

Trotz dieser eher bedrückenden Gründe zu protestieren, hatten wir alle an diesem Tag einen Riesenspaß. Schon unter der Woche hatte sich die Gruppe getroffen, um Banner zu malen – eine echte Herausforderung für meine künstlerischen Fähigkeiten. Auf der Veranstaltung selbst war es unglaublich inspirierend, so viele verschiedene Mitglieder der medizinischen Friedensbewegung zu treffen. Menschen allen Alters und jedweder Couleur kamen zusammen um sicherzustellen, dass unsere Stimmen gehört würden.

Angekommen auf dem Trafalgar Square hielten verschiedene religiöse Führer, Politiker und Aktivisten Reden. Der am meisten ersehnte Redner war wohl Jeremy Corbyn. Der älteste, gegen Trident kämpfende Politiker, erzeugte zusammen mit der Ersten Schottischen Ministerin Nicola Sturgeon eine unglaubliche Energie. Sie einten die Menge und verpflichteten sich zu einer Kampagne, um Trident ein Ende zu bereiten.

Das war meine erste Demonstration gegen Atomwaffen, und ich hoffe, ich werde weiter kämpfen, bis von den Atomwaffen nur noch ein peinliches Kapitel in den Geschichtsbüchern übrig geblieben ist. Andere Mitglieder von Medact waren schon auf ähnlichen Demonstrationen und haben über ihre frühere Arbeit und ihre Erfolge in der medizinischen Friedensarbeit gesprochen. Für mich scheint es offensichtlich, dass dies ein Vermächtnis ist, dem ich mein Leben verschreiben möchte.

Ben Clavy ist Medizinstudent am St. George Krankenhaus in Südlondon. Zuvor arbeitete er als Krankenpfleger. Medact trat er vor sechs Monaten bei, kurze Zeit später wurde er Mitglied der Arbeitsgruppe Atomwaffen. Nachdem er Patienten gesehen hatte, die viele gewaltsame Verletzungen erlitten hatten, beschloss er, sich gegen Krieg und seine Ursachen einzusetzen.

Ein Gedanke zu „Medact auf der Stop Trident-Demonstration

  1. Lieber Frank, lieber Ben Clavy,

    Sehr bewegend, Eure Briefe. Hier in Braunschweig machen wir etwas zum Flaggentag, dem 8.7. in Zusammenhang mit dem Manifest von Russell und Einstein. Leider bisher ohne richtige Übersetzung, nur mit Google… Auf meiner Homepage unter Friedensaktionen Braunschweig…
    Herzliche Grüße
    Helmut

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