„Nein zum Krieg!“: Eindrücke von der Friedensdemo am 10. Mai in Berlin

Friedensdemonstration, 10.Mai in Berlin; Photo: Anastasia Tomskikh (IPPNW)

Friedensdemonstration am 10.Mai 2015 in Berlin, Foto: Anastasia Tomskikh/IPPNW

Der kalte Wind an diesem Sonntagmorgen war sehr untypisch für den Mai, aber er konnte die Motivation der Menschen nicht verringern, für den Frieden auf die Straße zu gehen. Der 70. Jahrestag vom Ende des Zweiten Weltkrieges war Anlass für die zahlreichen Aktivitäten rund um den 8. Mai in Berlin, die mit dieser Demonstration „Nein zum Krieg und Faschismus. Für eine Politik der Verständigung und friedliche Konfliktlösung“ endeten. Hunderte von Menschen haben sich versammelt und sind durch die Mitte Berlins gezogen, um den Tag der Befreiung zu feiern und der Opfer zu gedenken.

Normalerweise sind die Cafés und Restaurants am Hackeschen Markt fast immer voll und laut. Aber an diesem Sonntagmorgen war es auf dem Platz relativ still und leer. Deswegen konnte man die alten Lieder über den Frieden und die Schrecken des Krieges sehr gut hören. Die Musik kam von da, wo sich eine kleine Insel der Friedensaktivisten zu bilden begann. Die Auftaktkundgebung fing pünktlich um 12 Uhr an, moderiert von der Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Christa Weber sowie dem Friedensaktivisten und Geschäftsführer der Initiative «Internationale Juristen und Juristinnen gegen den Atomkrieg» Reiner Braun. Die Klänge des französischen Akkordeons von Sängerin Isabel Neuenfeldt schienen die Friedensfreunde mehr und mehr auf den Platz zu locken. Ihr berührender Gesang erzählte die Geschichten, die nicht vergessen werden dürfen. Ich weiß nicht genau, weswegen – der kalte Wind oder der Auftritt von Isabel Neuenfeldt, aber ich bekam für einen kurzen Augenblick Gänsehaut. Zu Anfang der Rede von Erika Baum war der Ort bereits mit Friedensaktivisten und ihren Freunden gefüllt. Jetzt wurden die Demonstranten gut vorbereitet, die Friedensbotschaft in Berlin weiterzutragen.

Als wir durch die Friedrichstraße und Dorotheenstraße bis zur Paul-Löbe-Allee am Reichstag liefen, konnte man die russische Hymne und ein russisches Lied über den Krieg hören. Diese zwei Musikstücke werden in Russland immer am 9. Mai gespielt… überall: im Radio, im Fernsehen, in Schulen, auf den Straßen, zuhause. Das weiß ich genau, denn ich wurde in Russland geboren. Ich glaube, in Berlin wollte man damit den Soldaten (und nicht nur russischen Soldaten) danken, die die Befreiung vom Faschismus ermöglicht hatten. Die schrecklichen Ereignisse vor 70 Jahren müssen uns lehren, friedlich miteinander umzugehen, einander zu akzeptieren . Stattdessen wird die Geschichte in den aktuellen Konflikten als Mittel der Politik benutzt. Deswegen finde ich es sehr wichtig, dass es solche Friedensaktivisten und solche Demonstrationen gibt. Sie versuchen, uns zu erinnern, dass „Kriege auch in den Köpfen vorbereitet werden: Der auf den Anderen, die Ablehnung des Neuen und Unbekannten, des Fremden, das Treten auf den noch Schwächeren sind Bestandteile einer inhumanen, neoliberalen Gesellschaftsordnung, die Militarismus und Krieg, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit, Feinbilder und Nationalismus in sich tragen wie die Wolke den Regen“ (Aufruf zur Demonstration).

Obwohl es zu Streitigkeiten mit einer Aktivistin des „Vereins Direkte Demokratie für Europa“ kam, verlief die Demo generell sehr ruhig. Die Stimmung wurde sogar lockerer und die letzten Schritte wurden zu Musik von AC/DC gemacht. Vor dem Paul-Löbe-Haus war eine kleine Bühne aufgebaut, auf der eine Punk-Band den Demo-Zug begrüßte. Auch andere Musiker sowie prominente Personen waren präsent. Oskar Lafontaine wurde per Videobotschaft in Berlin zugeschaltet. Wer noch weiter feiern wollte, hatte die Möglichkeit, das Friedensfest am Breitscheidplatz zu besuchen. Und gegen 15 Uhr ging die Veranstaltung zu Ende, die uns an die Grausamkeiten vor 70 Jahren und an die Sinnlosigkeit des Krieges erinnern sollte. Ich denke, das war erfolgreich. Denn auf dem Weg zum Hauptbahnhof konnte ich nur daran denken und hoffen, dass wir aus der Geschichte lernen können und so eine Katastrophe nie wieder erleben müssen.

Anastasia Tomskikh studiert Sozialwissenschaften an der HU Berlin.

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