Die GEAS-„Reform“ und was sie mit uns in der IPPNW zu tun hat

Am 12. Juni 2026 wird die „Reform“ des gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) praktisch wirksam. Zwar sind viele der nun in Kraft tretenden gesetzlichen Änderungen schon vorher von einzelnen EU-Staaten in unterschiedlicher Härte praktiziert worden, doch nun werden diese in Gesetzesform gegossen. Dadurch dürfte es sehr viel schwieriger werden, vor Gerichte Erfolge gegen menschenverachtende Praktiken zu erzielen. In Zukunft wird auch der solidarische Zugang durch zivilgesellschaftliche Gruppen massiv erschwert. Das heißt Betroffene werden weiter isoliert und müssen allein die Folgen systematischer Abschottung, Freiheitsbeschränkung und Entrechtung erleiden, nicht nur an den Außengrenzen, sondern auch hier im Inneren bei uns. Faktische Lagerhaft und extrem verkürzte Verfahren werden besonders Schutzbedürftige wie Menschen mit besonderen Einschränkungen, traumatisierte und kranke Menschen in gesundheitliche Katastrophen stürzen, ohne dass sie solidarisch aufgefangen werden können. Widerstand, wie wir ihn bei der Bezahlkarte noch möglich machen konnten, wird immer schwieriger, die Kriminalisierung wahrscheinlicher. Weiterlesen →

World Health Assembly: Klimakrise, Frieden und das Recht auf Gesundheit

Diskussion bei der WHA und Logo der WHA

Logo der WHA: United States Mission Geneva / CC BY 2.0

Als medizinische Fachkraft werde ich oft gefragt: Warum sprechen Sie über Frieden und Klimagerechtigkeit? Weil Gesundheit nicht losgelöst von diesen Themen existiert. Krieg, Klimakatastrophe und Gesundheit sind eng miteinander verflochten, und wir sehen die Folgen jeden Tag. Dieser Gedanke steht auch im Mittelpunkt der Arbeit der IPPNW. (…) Weiterlesen →

Seid Menschen!

Einweihung des Mahnmals für die fünf ermordeten Zwangsarbeiterinnen auf dem Friedhof Niederkrüchten.

Am 9. Mai 2026 fand die Enthüllung eines Mahnmals für fünf ermordete sowjetische Zwangsarbeiterinnen auf dem Friedhof Niederkrüchten und die Verlegung von fünf Stolpersteinen statt, die maßgeblich von der Regio-Mönchengladbach-Viersen initiiert wurde. Herbert Hochheimer (IPPNW) hielt eine Rede zu dem Anlass:

Gestern vor 81 Jahren endete mit dem 2. Weltkrieg in Europa auch die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland. Nach mehr als 81 Jahren gibt es kaum noch direkte Erinnerungen von lebenden Personen. Aber es gibt die vielfach aufgeschriebenen Erinnerungen inzwischen Verstorbener und es gibt die Ergebnisse von Forschungen in Quellen und Archiven. Diese neue Gedenkstelle ist ein Beispiel für die notwendige Arbeit, Ereignisse der Vergangenheit ans Licht zu holen, um Gedenken möglich zu machen und so unserer Verantwortung für die Zukunft gerecht zu werden. Weiterlesen →

Entspannungspolitik 2.0

IPPNW-Jahrestreffen in Jena. Foto: IPPNWBericht über den Vortrag von Prof. Dr. Johannes Varwick auf dem IPPNW-Jahrestreffen 

Der Vortrag von Prof. Dr. Johannes Varwick zum Thema „Entspannungspolitik 2.0“ zeichnet ein eindringliches Bild der aktuellen internationalen Lage und entwickelt daraus Überlegungen für eine zukünftige Sicherheitsordnung. Ausgangspunkt ist die Diagnose einer zunehmend instabilen Welt: Europa ist erneut zum Kriegsschauplatz geworden, Aufrüstung prägt das politische Geschehen, und Konflikte werden häufig indirekt als Stellvertreterkriege ausgetragen. Diese Entwicklungen verstärken die Gefahr einer Eskalationsspirale, deren äußerster Punkt auch eine nukleare Auseinandersetzung sein könnte. Besonders kritisch wird dabei gesehen, dass sich verhärtete Feindbilder herausbilden, die politische Lösungen erschweren. Vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung nach einem vollständigen Rückzug russischer Truppen aus der Ukraine zwar normativ nachvollziehbar, aktuell jedoch kaum realistisch. Entscheidend sei vielmehr, eine direkte militärische Konfrontation zwischen der militärisch überlegenen NATO und Russland unbedingt zu vermeiden. Der Preis einer solchen Konfrontation sei eine nukleare Eskalation im Falle einer zu erwartenden militärischen Niederlage Russlands. Weiterlesen →