Stuttgarter Widerstand in der Eifel

Internationaler Versöhnungsbund, 16. Mai; Foto:www.buechel-atomwaffenfrei.de

Mitglieder des Internationalen Versöhnungsbundes in Büchel am 16. Mai 2015; Foto:www.buechel-atomwaffenfrei.de

Am 14. Mai 2015 brach eine Gruppe von sieben Personen, Mitgliedern der IPPNW und Aktive aus dem Widerstand gegen Stuttgart 21, frühmorgens von Stuttgart nach Büchel in der südlichen Eifel auf, um dort im Rahmen der Aktion Büchel65 vor dem Fliegerhorst zu blockieren. Wir identifizieren uns mit dem Anliegen von Büchel65, dass die letzten Atomwaffen auf deutschem Boden abgezogen und nicht, wie geplant, „modernisiert“, d.h. mit Milliardenaufwand durch zielgenauere, in ihrer Sprengkraft abstufbare Waffen ersetzt werden, was die Illusion nährt, ein Atomkrieg wäre führbar. Wir beobachten mit Sorge eine zunehmende Bereitschaft, auch in Deutschland, für kriegerische Lösungen von Konflikten zu plädieren, Waffen an kriegführende Parteien zu liefern und in den Medien die Bevölkerung auf militärisches Vorgehen als „humanitär“ geboten einzustimmen. Es scheint, als sei die atomare Bedrohung, die seit dem Ende des Kalten Krieges noch gewachsen ist, nicht mehr im Bewusstsein weiter Kreise der Bevölkerung präsent.

Über leere Autobahnen gelangten wir schon in drei Stunden nach Büchel. Die wunderschöne Landschaft der Südeifel lag maigrün und leuchtend gelb im Schein der Vormittagssonne, und der scharfe Kontrast berührte uns emotional, dass in diesem lieblichen Land die vernichtenden Waffen lagern, die in Minuten ganze Städte auslöschen und weite Landstriche unbewohnbar machen können. Im Friedenscamp, einer kleinen Ansammlung von Zelten und Wohnwagen, die etwas versteckt zwischen Büschen und Pappeln neben der Straße liegt, wurden wir freundlich empfangen. Carsten gab uns die nötigen Informationen über die Bedingungen vor Ort und beantwortete unsere Fragen, dann zogen wir mit bunten Bannern und selbstgefertigten Plakaten über die Straße zum nahe gelegenen Verkehrsrondell vor dem Haupttor des Fliegerhorsts. Die Polizei hatte die Häfte des Kreisverkehrs abgesperrt und leitete den Verkehr über die andere Hälfte.

Etwa zwanzig Meter vor dem Tor war ein Bauzaun aufgestellt, um die Blockierer daran zu hindern, sich direkt vor das Tor zu setzen. An den Zaun hängten wir unsere Banner und setzten uns davor. Carsten stellte weitere Banner an der Straße auf. Da es Feiertag war, kamen im Lauf der Stunden nur wenige Bundeswehrautos vorbei, die von der Polizei zu einem anderen Tor umgeleitet wurden. Wir waren an diesem Tag die einzige Gruppe, es gab keinen Berufsverkehr, und unsere Aktion hatte deshalb nur symbolischen Charakter. Die Polizisten waren freundlich und es fiel uns, aus Stuttgart kommend, wo wir andere Erfahrungen gemacht haben, auf, dass sie sehr gut über das Versammlungsrecht Bescheid wussten. Teilweise teilten sie wohl auch unsere Einstellung zu den Atomwaffen. Jörg, der noch sehr unter dem Eindruck einer Feier zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen stand, las uns die Rede einer Italienerin, Tochter eines Überlebenden von Mauthausen, vor. Die Gespräche kreisten um die zahlreichen Baustellen, die die kapitalistisch geprägte Weltwirtschaft aufgerissen hat, zu der ja auch der militärisch-industrielle Komplex gehört, der des Profits wegen immer weitere Rüstungsprogramme fordert. Aber trotz des Ernstes der Situation, die uns hierher geführt hatte, war es ein schöner Tag, an dem uns freundlich die Sonne schien, bis wir unsere Aktion beim Eintreffen der nächsten Gruppe, der Naturfreunde aus Berlin, beendeten. Es war das Erlebnis einer guten Gemeinschaft, wo sogar Spielen und Singen Raum fand.

Hinweis: Am morgigen Freitag endet Büchel65 mit einer sogenannten „Zahnbürsten-Blockade“. AktivistInnen bringen ihre Zahnbürste mit, als Zeichen dafür, dass sie sich mit ihrem Widerstand gegen die Existenz von Atomwaffen nicht durch die Drohung einer Ingewahrsamnahme abschrecken lassen.

Dr. Hildegard Zürn-Müller

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