Am 12. Juni 2026 wird die „Reform“ des gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) praktisch wirksam. Zwar sind viele der nun in Kraft tretenden gesetzlichen Änderungen schon vorher von einzelnen EU-Staaten in unterschiedlicher Härte praktiziert worden, doch nun werden diese in Gesetzesform gegossen. Dadurch dürfte es sehr viel schwieriger werden, vor Gerichte Erfolge gegen menschenverachtende Praktiken zu erzielen. In Zukunft wird auch der solidarische Zugang durch zivilgesellschaftliche Gruppen massiv erschwert. Das heißt Betroffene werden weiter isoliert und müssen allein die Folgen systematischer Abschottung, Freiheitsbeschränkung und Entrechtung erleiden, nicht nur an den Außengrenzen, sondern auch hier im Inneren bei uns. Faktische Lagerhaft und extrem verkürzte Verfahren werden besonders Schutzbedürftige wie Menschen mit besonderen Einschränkungen, traumatisierte und kranke Menschen in gesundheitliche Katastrophen stürzen, ohne dass sie solidarisch aufgefangen werden können. Widerstand, wie wir ihn bei der Bezahlkarte noch möglich machen konnten, wird immer schwieriger, die Kriminalisierung wahrscheinlicher. Weiterlesen
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Drohende Abschiebung des kurdischen Politikers Mehmet Çakas in die Türkei
Mehmet Çakas hat wegen der politischen Verfolgung in der Türkei in Deutschland Asyl gesucht. Er hat sechs Jahre in Deutschland gelebt und sich für die kurdische Sache vielfältig engagiert. 2021 wurde sein Asylverfahren eingestellt. Er ging nach Italien und stellte dort erneut einen Asylantrag. Aufgrund eines von Deutschland ausgestellten Haftbefehls wurde er im Dezember 2022 in Italien in Auslieferungshaft genommen und im März 2023 an die deutsche Justiz überstellt. Anfang September wurde in Celle der Prozess gegen ihn wegen Terrorismus und Mitgliedschaft in der PKK eröffnet. Er wurde im April 2024 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Diese Strafe wäre am 4. Oktober 25 abgesessen. Nun soll Çakas am 28. August 2025 aus der Haft in die Türkei abgeschoben werden. Weiterlesen
Die Situation Geflüchteter in der Türkei

Vor dem Seemannsheim in Hamburg. Foto: IPPNW
Zweiter Teil des Berichts über den Besuch einer türkisch-kurdischen Aktivist*innengruppe in Hamburg | Einer unserer Gäste aus der Türkei war der Rechtsanwalt Mahmut Kacan, der lange für den UNHCR und später in der Flüchtlingskommission der Anwaltskammer Van gearbeitet hat. Er arbeitet jetzt in einer eigenen Kanzlei und kümmert sich als Anwalt ehrenamtlich und auch politisch um Flüchtlinge.
Van und die Region liegen durch ihre Nähe 100 km zur iranischen Grenze an einer der größten Fluchtrouten im Nahen und Mittleren Osten. Rechtsanwalt Kacan berichtet von dem Paradox, dass die Türkei weltweit zwar eines der Länder sei, das die meisten Geflüchteten aufnehme. Gleichzeitig habe sie – gerade wieder mit steigender Tendenz – immer Flüchtlinge und Fluchtgründe produziert. Weiterlesen
Abschiebungen nach Afghanistan: Ein schreiendes Unrecht

Aus dem Report “Gesundheitliche Folgen von Abschiebung”. Grafik: IPPNW
Die Bundesregierung will weiterhin verzweifelte und angstvolle Menschen ins Kriegsland Afghanistan abschieben. Und das trotz massiver Bedenken der afghanischen Regierungsbehörden, die Deutschland um einen Abschiebestopp gebeten haben, weil sie für den Schutz der zurückgeschickten Menschen nicht mehr garantieren wollen. Wie Pro Asyl erfahren konnte, wird die afghanische Regierung durch den Botschafter Deutschlands bedrängt, die geplante Abschiebung zu akzeptieren. Am 23. Juli war schon bekannt geworden, dass der geheimgehaltene Lagebericht des Auswärtigen Amtes die Situation in Afghanistan anscheinend bewusst verharmlost. Offensichtlich geht es hier nur noch um Wahltaktik – das Leben der zu uns geflüchteten Menschen scheint für die Bundesregierung zweitrangig zu sein. Weiterlesen