Zermürbungstaktik: Der Menschenrechtler Dr. Necdet Ipekyüz vor Gericht

Verwüstung und Straßensperren in Diyarbakir, Sommer 2017. Foto: IPPNW

Verwüstung und Straßensperren in Diyarbakir, Sommer 2017. Foto: IPPNW

In der Nacht brachte uns das Flugzeug nach Diyabakir. Strahlender Sonnenschein mit bis zu 15 Grad Celsius bei unserem Kurzbesuch dort. Dr. Necdet Ipekyüz, einer der wichtigsten ärztlichen Repräsentanten der Zivilgesellschaft in Diyabakir – Gynäkologe, früherer Präsident der Ärztekammer Diyabakir, später vorübergehend auch Leiter des örtlichen TIHV-Behandlungszentrums für Folteropfer, aktiv auch in verschiedenen medizinischen und gesellschaftlichen Organisationen. Wir haben ihn auf unseren Delegationsreisen regelmäßig treffen können. Er steht unter dem absurden Vorwurf, dem Terrorismus Vorschub zu leisten, weil er medizinische Vorträge, unter anderem zum sozialen Trauma der KurdInnen in der Südost-Türkei, vor dem bisher nicht verbotenen Demokratischen Sozialforum gehalten hat. Jetzt droht ihm eine Gefängnisstrafe. Weiterlesen

Das Diyarbakir, das wir lieben, scheint für immer verloren

Zerstörte Stadtviertel in Diyarbakir, Foto: IPPNW

Zerstörte Stadtviertel in Diyarbakir, Foto: IPPNW

Diyarbakir, die Hauptstadt der Kurden, die die Stadt Amed nennen, liegt auf einem Basaltplateau über dem Tigristal. Siedlungen an dieser Stelle sind seit 10.000 Jahren nachgewiesen. Die heutige Stadtmauer, die die längste erhaltene Mauer nach der chinesischen sein soll, stammt aus römischer Zeit. Bis weit ins 20. Jahrhundert war das Stadtgebiet auf die Altstadt Sur (Surici) innerhalb der Mauern begrenzt. Erst mit der Landflucht und in den neunziger Jahren mit der Vertreibung der Kurden aus den Dörfern expandierte die Stadt nach Nordwesten und hat heute mehrere Millionen Einwohner. Die Binnenvertriebenen aus den Dörfern siedelten sich oft innerhalb der Stadtmauer oder in ihrer Nähe an. Dabei entstand ein dichtes Gewirr von engen Gassen, überdachten Basaren und Werkstätten.

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Newroz 2017 in Diyarbakir

Newroz-Feier in Diyarbakir, Foto: IPPNW

Newroz-Feier in Diyarbakir, Foto: IPPNW

Newroz hat für die Kurden eine große Bedeutung als Fest des Frühlings und der Freiheit. Es wurde als repressive Maßnahme oft behindert oder verboten. Vor drei Jahren wurde die wichtige Rede von Abdullah Öcalan zum Friedensprozess auf kurdisch und türkisch verlesen und mit großer Begeisterung aufgenommen. In der angespannten Atmosphäre dieses Jahres war das Fest in Diyarbakir erlaubt worden, in vielen anderen Städten dagegen verboten. Weiterlesen

Diyarbakir – eine verwundete Stadt

Polizei- und Panzerpräsenz in Diyarbakir, März 2016. Foto: IPPNW

Polizei- und Panzerpräsenz in Diyarbakir, März 2016. Foto: IPPNW

Die unmittelbar erfahrbaren Spannungen des Krieges in Diyarbakir haben  im Vergleich zum letzten Jahr oberflächlich nachgelassen. Sie sind zu einer gewissen „Alltagsnormalität“ geworden. Unser alt vertrautes Hotel am Rand der Innenstadt, im letzten  Jahr noch geschlossen, konnten wir wieder beziehen. Viele Geschäfte in der Haupteinkaufsstraße haben wieder geöffnet, manche sogar dem „modernen Glanz einer deutschen Mittelstadt“ entsprechend neoliberal und etwas gleichförmig aufpoliert. Weiterlesen