Brief an meine Freunde in Israel und Palästina

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt aus Düsseldorf und Mitorganisator der IPPNW-Bike-Tour durch Japan 2012

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und stellvertretender Vorsitzender der IPPNW

Liebe Freunde in Israel und Palästina,

wenn ich sage, dass ich in an einen gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern glaube, sagt ihr ich sei naiv, dass ich nicht wisse, wovon ich rede, dass ich die Realität vor Ort nicht kenne.

Wenn ich sage, dass die Regierenden in Israel und Palästina Verantwortung für die Leben und die Sicherheit aller Bürger übernehmen, diesen Krieg beenden, das Schießen aufhören, ihre Hände ausstrecken und einen Weg aus dieser Misere aushandeln müssen, sagt ihr: „Du bist verrückt! Guck dir dieses Video an, wie israelische Soldaten unschuldige Kinder erschießen!“ oder „Wie kannst du so töricht sein! Guck dir dieses Video an, wie Hamas-Kämpfer Israelis aus dem Hinterhalt abschießen!“ Ihr zeigt mir Äußerungen von Hamas-Politikern, die zur Vernichtung Israels aufrufen oder Knesset-Abgeordnete, die palästinensische Kinder als Schlangen bezeichnen und ihren Müttern den Tod wünschen. Ihr schickt mir Bilder brutaler Morde, verbrannter Körper, schießwütiger Soldaten und maskierter Männer mit Blut an ihren Händen. Weiterlesen

Wir verurteilen den bewaffneten Angriff

Gemeinsame Erklärung der IPPNW-Sektionen Israel – Palästina

Unsere beiden Organisationen verurteilen den bewaffneten Angriff auf mit humanitären Hilfsgütern beladene Schiffe auf dem Weg nach Gaza, der in internationalen Gewässern stattfand, und wir betrauern gemeinsam die Toten, die in Folge dieses Angriffs ihr Leben verloren haben.

Als Ärzte stimmen wir darin überein, dass die Gesundheit der Bevölkerung Gazas in hohem Maße besorgniserregend ist und dass dringend medizinische Hilfe benötigt wird.

Wir fordern gemeinsam eine internationale Untersuchung dieses Vorfalls und ein sofortiges Ende der Gaza-Blockade.Wir appellieren an die Führung Israels und Palästinas, in ernsthafte Verhandlungen miteinander einzutreten und dies mit dem aufrichtigen Willen zu tun, eine gewaltfreie und friedliche Lösung des Israel-Palästina-Konflikts herbeizuführen.

Gemeinsame Erklärung der Palestinian Physicians For the Prevention of Nuclear War (PPPNW) und der Israeli Physicians For Peace and the Preservation Of The Environment (IPPPE) Sektionen der International Physicians For the Prevention of Nuclear War (IPPNW)

Dr. Abdelaziz Alabadi, MD — President, PPPNW, Palestine
Prof. Ernesto Kahan M.D. — President and Councilor, IPPPE, Israel
Dr. Mustafa Ghanim, MD, PhD— External Relations, PPPNW, Palestine
Dr. Ra’anan Friedmann M.D., Ph.D. — Vice President, Vice Councilor and Spokesman, IPPPE, Israel

Interview mit Norman Paech

Neues Leben: Sie waren an Bord des türkischen Schiffes „Mavi Marmara“. Wie haben Sie den Überfall der israelischen Soldaten auf den Hilfskonvoi erlebt?

Prof. Dr. Norman Paech: Mich haben heftige Detonationen und Explosionen aufgeweckt, die ich gar nicht lokalisieren konnte. Ich bin aufgesprungen und habe mich angezogen. Und dann kam schon mein Mitreisender Nadel El Sakar auf mich zu und sagte „Die Israelis sind um uns, seit zehn Minuten werden wir von Schlauchbooten mit Soldaten umkreist.“ Wir hörten Schüsse oben auf dem obersten Deck und auch Lärm, offensichtlich von Hubschraubern. Es wurden schon bald israelische Soldaten heruntergetragen, die entwaffnet worden waren und noch Kleidung an hatten. Sie wurden in den Raum getragen, der wie ein Lazarett ausgestattet war, damit dort mögliche Verwundete behandelt werden konnten. Diese Soldaten schienen mir, bis auf einen, nicht verwundet zu sein. Ich habe kein Blut bei ihnen gesehen und habe das mit meinem Fotoapparat dokumentiert.

Interview mit Norman Paech in der türkischen Zeitung Günlük Evrensel Gazetesi

Regierung muss das Stillschweigen beenden

Mit unserer Aktion gegen die Gaza-­Blockade wollten wir die Staatenwelt aufwecken und Druck erzeugen, damit Israel die Abriegelung aufgibt. Die Bundesregierung muß ihr Stillschweigen beenden und ihre offene Kollaboration mit Israels Premier Benjamin Netanjahu aufgeben. Politik ist, wenn gehandelt wird, reden hilft da nicht viel. Deshalb wird versucht, im Herbst eine neue, noch größere Solidaritätsflotte nach Gaza zu starten.

Interview mit Norman Paech in der Jungen Welt