Mahnwache: Atomwaffengegner vor Gericht

Am Fliegerhorst Büchel

Am Fliegerhorst Büchel

Mittwoch, 01.12.2021, Mahnwache: 8.00 Uhr am Landgericht, Karmeliterstrasse 14, 56068 Koblenz (Sitzungssaal 136, 1. OG)

Am kommenden Mittwoch, dem 1. Dezember 2021 wird der Berufungsprozess des IPPNW-Arztes Ernst-Ludwig Iskenius vor dem Landgericht Koblenz mit neun Zeug*innen aus dem Kreis der IPPNW fortgesetzt. Der Berufungsprozess ist eine direkte Folge einer Aktion während der IPPNW-Büchelwoche 2018. Im Rahmen dieser Woche wurde jeden Morgen eine angemeldete Mahnwache auf der Verkehrsinsel vor dem Haupttor des Fliegerhorstes durchgeführt, um die morgens einfahrenden 2.000 Beschäftigten der Bundeswehr auf das Unrecht und die Gefahren, die von diesem Ort ausgehen, aufmerksam zu machen.

Dem Versammlungsleiter der angemeldeten Mahnwache, Ernst-Ludwig Iskenius, wird ein Strafprozess gemacht aufgrund von Aktionen zivilen Unghorsams (ZU), die Protestierende nach Ende der Veranstaltung durchgeführt hatten: Sie hatten sich vor zwei Tore des Atomwaffenstützpunktes gesetzt. Weiterlesen

Ein vielfältiges Bild zivilgesellschaftlicher Aktivitäten

Auf dem Bahnhof mit all unserem Gepäck.

Auf dem Bahnhof mit all unserem Gepäck. Foto: IPPNW

Rückblick: Deutschlandreise von Partnern aus Diyarbakir

Eine Woche schon hat uns der Alltag wieder, seit einer Woche sind unsere Gäste aus Diyarbakir – bisher unbehelligt – wieder zu Hause. Es waren drei sehr intensive Wochen, in denen wir uns kennengelernt haben, drei Wochen mit einem ehrgeizigen Programm, mit vielen Begegnungen, vielen Gesprächen, fruchtbarem Austausch über die Arbeit der Zivilgesellschaft hier und dort in Krisenzeiten, drei Wochen, in denen Kontakte geknüpft und weitere Zusammenarbeit verabredet wurde.

In den beiden vorangegangen Blogs haben wir über die Tage in Braunschweig und Hannover und über den Besuch in der IPPNW-Geschäftsstelle berichtet. Wir waren auf Vermittlung des IPPNW-Vorstandsmitglieds Robin Maitra Gäste der Bundesärztekammer, wo sich neben dem Menschenrechtsbeauftragten Dr. Bobbert und dem Präsidenten Dr. Klaus Reinhardt vor allem Dr. Domen Podnar aus der Abteilung Internationales für uns Zeit nahm: „Wenn wir etwas für andere Menschen tun wollen, müssen wir auch geschützt sein. Auch wenn die Gefahr für die kurdischen Besucher in ihrer Heimat ungleich größer ist und vom Staat ausgeht, so gibt es doch auch in Deutschland zunehmend Angriffe und Gewalt gegen Ärzt*innen – von Extremisten, aber auch von der Regierung.“ Weiterlesen

Zu Besuch bei Stadtteilinitiativen in Berlin

Zu Besuch bei der Initiative „Yekmal“ in Neukölln

Wir sind weiter mit unseren Gästen aus Diyarbakir in Deutschland unterwegs. Die zweite Woche waren wir in Berlin.

Überall wurden wir freundlich empfangen und die Diskussion mit den engagierten jungen Leuten aus dem kurdischen Teil der Türkei stieß auf großes Interesse, z.B. bei der BAfF, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Behandlungszentren für Flüchtlinge und Folteropfer oder bei der Bundesärztekammer.

Über zwei Besuche in Neukölln möchte ich hier etwas ausführlicher berichten, weil sie zeigen, wie unterschiedlich Kurden und Türken in Deutschland weiter behandelt werden und wie sich der türkisch-kurdische Konflikt auch hier auswirkt. Der Sozialarbeiter Mustafa Altintop hat während seiner Ausbildung als Praktikant in Berlin beim Verein Yekmal e.V. (den Eltern aus Kurdistan) gearbeitet und dort für uns einen Termin vereinbart.

Zum einen bieten sie im Auftrag des Jugendamtes ambulante Hilfe bei der Erziehung an und haben in diesem Arbeitsbereich ca 40 Mitarbeiter*innen. Die Hauptprobleme, auf die sie dabei stoßen, sind das veränderte Rollenverständnis in den Familien, das Abrutschen von Jugendlichen in Drogensucht und Prostitution sowie die Wohnungsnot.

Zum anderen kümmern sie sich um eine bilinguale Erziehung, weil sie überzeugt sind, dass Kinder ihre Muttersprache für eine gesunde Entwicklung brauchen. In 25 Jahren harter Überzeugungsarbeit haben sie erreicht, dass mit Unterstützung des Senats in sechs Berliner Grundschulen Unterricht in der kurdischen Sprache Kurmanci angeboten wird. Sie betreiben inzwischen zwei bilinguale Kindergärten und hoffen, in Kürze auch eine bilinguale Grundschule eröffnen zu können, in der dann in Arbeitsgemeinschaften auch die anderen kurdischen Sprachen unterrichtet werden sollen.

Muttersprachlicher Unterricht wird in der Regel über die jeweilige Botschaft organisiert, was in Bezug auf die kurdische Sprache von der türkischen Botschaft verweigert wird. Serif, ein ehemaliger Kollege von Serra aus der Stadtverwaltung in Diyarbakir lebt seit drei einhalb Jahren in Berlin und leitet die Yekmal-Akademie, in der Lehrmaterial für die kurdische Sprache erstellt wird. Yasar, ein Sprachwissenschaftler arbeitet daran, Yekmal in weiteren Bundesländern zu etablieren. In Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz gibt es schon Ansätze.

Im Anschluss sind wir bei einer zweiten Stadtteilinitiative zu Gast. Die Mitglieder besuchen die Familien von Zugewanderten und Geflüchteten, sprechen mit ihnen über ihre Sorgen und motivieren die Eltern, ihre Kinder in den Kindergarten zu schicken, um ihnen einen guten Start in die deutsche Gesellschaft zu vermitteln. Auch hier spielt Sprachunterricht eine zentrale Rolle – die rein türkische Mitarbeiter*innenriege machte uns allerdings unmissverständlich klar, dass Kurdisch für sie nicht zum muttersprachlichen Programm gehört. Trotz der gegenseitigen Versicherung, die Politik bei unserem Gespräch außen vor zu lassen, kam es schnell zu einem heftigen Streit zwischen einer der Türkinnen und der Dolmetscherin über politisch aufgeladene Begriffe. Letztere wollte daraufhin nicht weiter übersetzen. Es war nicht leicht, das Gespräch wieder in Gang und einigermaßen gesittet zu Ende zu bringen. Die Dolmetscherin war noch lange sehr aufgebracht und meinte, sie sei es leid, sich immer wieder für ihr Kurdentum rechtfertigen zu müssen. Zum erstenmal äußerte sie die Befürchtung, dass ihnen diese Begegnung bei ihrer Rückkehr schaden könnte. Es tat mir leid, sie dem unwissentlich ausgesetzt zu haben.

Ich teile die Überzeugung, dass die Muttersprache eine wichtige Basis für eine gesunde Entwicklung und eine starke Identität ist, besonders in der Diaspora. Wenn aber jede Bevölkerungsgruppe das für sich organisiert, besteht doch die Gefahr, dass sie unter sich bleiben und den Weg in unsere bunte Gesellschaft nicht finden.

Dr. Gisela Penteker leitet die Reisen von IPPNW-Mitgliedern in die Türkei.

Wir sind auch verantwortlich für das, was wir nicht tun!

Foto: Jens Volle / Gewaltfreie Aktion GÜZ abschaffen

Vier Friedensaktivist*innen wurden heute vom Amtsgericht Bonn zu Bußgeldern zwischen 200 und 500 Euro verurteilt, unter ihnen auch zwei IPPNW-Mitglieder. Im Rahmen der „Gewaltfreien Aktion GÜZ abschaffen“ hatten sie im Sommer 2020 zusammen mit weiteren Kriegsgegner*innen das Gefechtsübungszentrum (GÜZ) Altmark besetzt, um den Übungsbetrieb zu stören. Das GÜZ ist der modernste Truppenübungsplatz in Europa – Teil von ihm ist die Schnöggersburg, eine „Übungsstadt“ der Bundeswehr für den Häuserkampf. Wir dokumentieren im Folgenden das Schlußwort von IPPNW-Mitglied Ernst-Ludwig Iskenius vor dem Amtsgericht Bonn.

Sehr geehrter Herr Amtsrichter,
„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun,“ hat große französische Dichter Molière gesagt. Unterlassen wir nicht die Vorbereitung zum Krieg, dann führen wir Krieg. (…) Denken wir weiter in Kategorien von militärischer Sicherheit, werden wir uns todsicher selbst zerstören und untergehen. Militärische Sicherheit schafft keine menschliche Sicherheit. Legen wir dem Militär nicht das Handwerk, dann werden unsere gesellschaftlichen Errungenschaften und Werte, auf die wir so stolz sind, zerstört. Unser Rechtsstaat kann nicht militärisch verteidigt werden, sondern nur ohne  das Militär. Weiterlesen