
Foto: IPPNW
Anlässlich der Jahrestage von Hiroshima und Nagasaki fanden sich am Atomwaffenstützpunkt Büchel zahlreiche Friedensaktivist*innen zu kreativen Aktionen und Mahnwachen zusammen. Das Aktionsbündnis Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen (GAAA) hatte zu den Aktionstagen vom 20. bis 26. Juli 2026 eingeladen. Deutschland ist noch immer nicht atomwaffenfrei – im Gegenteil. Es galt, 30 Jahre Widerstand gegen die Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen zu würdigen und daran zu erinnern, Folgendes zu anzumahnen:
– Deutschland ist noch immer nicht dem Atomwaffenverbotsvertrag beigetreten. Die in Büchel praktizierte nukleare Teilhabe ist völkerrechtswidrig, weil:
1) im Falle eines Atomkriegs deutsche Soldaten Verfügungsgewalt über Atomwaffen erhalten (nach dem Atomwaffensperrvertrag verboten) und
2) der Atomkrieg geübt wird, was eine Drohung zur Anwendung von Atomwaffen darstellt. Damit bricht die Bundesregierung internationale Verträge wie den 2+4-Einigungsvertrag oder den Atomwaffensperrvertrag.
– Wir brauchen eine Rückkehr zu Abrüstungsvereinbarungen unter der Verantwortung der Vereinten Nationen.
– Eine Übergabe der Atomwaffen an die deutsche Bundeswehr zwecks Abwurfs erhöht die Kriegsgefahr und könnte einen Präventivschlag provozieren.
Eine Gruppe von ca. 30 Friedensaktivist*innen aus Deutschland, den Niederlanden und den USA organisierte kreative, gewaltfreie Aktionen am Zaun und tägliche Mahnwachen an den Zufahrten des Fliegerhorstes. Vertreten waren Mitglieder von Organisationen wie Catholic Workers, Nuke Watch, GAAA, Lebenslaute, Versöhnungsbund und IPPNW.
Diese verschiedenen Gruppen des gewaltfreien, zivilen Ungehorsams versuchten in diesen 30 Jahren, durch Gerichtsprozesse und den Gang durch die gerichtlichen Instanzen die völkerrechtswidrige Atomwaffenstationierung endlich vor den obersten Gerichten zu thematisieren – bisher allerdings vergeblich.
An einem Vormittag verschönerten wir den doppelseitigen „Schutzzaun“ mit Sonnenblumen und Peace-Symbolen. Die Gestaltung wurde von Vertretern der “Lebenslaute” mit musikalischen Beiträgen auf Saxophon und Oboe begleitet und leider immer wieder durch das unheilvolle Gedröhne startender Tornados unterbrochen.
Der Fliegerhorst wurde in den letzten zwei Jahren aktuell für zwei Milliarden Euro umgebaut (geplant waren 200 Millionen), damit voraussichtlich 2027 die B61-12 mit gefährlichen neuen Eigenschaften mit den neuen US-F-35-Atombombenträger-Kampfjets (Kosten: ca. zehn Milliarden Euro) stationiert werden können.
Die „Friedenssicherung Europas“ soll dank NATO nach wie vor „zuverlässig, sicher, effektiv“ bleiben – und zwar mit atomarer Aufrüstung. Ein Widerspruch. Im Herbst 2026 wird das Training der deutschen Piloten in den USA beginnen.
Da ich viele Jahre in Portugal im Friedensforschungsdorf Tamera lebte, waren diese Tage für mich wie eine Rückkehr in die alte Friedensbewegung der 80er-Jahre. So habe ich bei den Aktionen vor allem auch Menschen meiner Generation (geboren 1944) getroffen, die ihre Friedenssehnsucht und die Vision „Eine andere Welt ist möglich“ nicht aufgegeben haben. Ich habe Susan Crane (80 Jahre alt) aus den USA kennengelernt. Susan hat letztes Jahr als erste US-Bürgerin acht Monate in deutschen Gefängnissen ihre „Mahnwache hinter Gittern“ vollzogen.
Danke für diese Zeit in Büchel und an alle, die den Mut haben, noch Widerstand zu leisten und zu widersprechen.
Dr. Irmtraud Fäthke ist IPPNW-Mitglied.
Zum Weiterlesen:Wochenspiegel – “Blumen als Sicherheitsrisiko: Polizei räumt Zaunschmuck am Fliegerhorst Büchel”, https://www.wochenspiegellive.de/kreis-cochem-zell/artikel/blumen-als-sicherheitsrisiko-polizei-raeumt-zaunschmuck-am-fliegerhorst-buechel
Waffen sind für Kriege gemacht!
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