Cycling for Peace: Von Hiroshima nach Nagasaki

IPPNW-Biketour in Japan 2025

IPPNW-Biketour in Japan 2025

Vom 20. Bis 28. September 2025 haben sich 21 Studierende aus 10 Ländern aufgemacht, um zum Einläuten des 24. IPPNW-Weltkongresses und 80-jährigen Gedenkjahres der A-Bomb-Opfer und Überlebenden, von Hiroshima nach Nagasaki mit dem Fahrrad zu fahren. 541 Kilometer, über 4.000 Höhenmeter, acht Tage, 30 Grad, ein gemeinsames Ziel: Frieden.

Jeder Tag begann mit einem traditionellen japanischen Frühstück aus Misosuppe, Salat, Reis mit einem aufgeschlagenen rohen Ei, und viel Kaffee, um uns ein bisschen Startenergie zu liefern. Die gesamte Route führte uns durch große und kleine Städte, an Küsten entlang, durch tropische Wälder, Tunnel sowie über einige japanische Berge und an buddhistischen Tempeln und Shinto Schreinen vorbei. Zu unserem Vorteil gab es fast den gesamten Weg immer ausgebaute Fahrradwege. So konnten wir alle gemeinsam sicher ans Ziel kommen und diese großartige Reise meistern.

Tag 1: 20.9.
Hiroshima

Am ersten Tag gab es ein großes Ankommen und Kennenlernen in Hiroshima. Gemeinsam besuchten wir die Insel Miyajima mit ihrem berühmten Torii (einem traditionellen Eingangstor) im Wasser, dem Schrein auf Stelzen sowie zahmen Rehen, die frei herumliefen. Danach sind wir zum Wahrzeichen Hiroshimas gefahren, dem A-Bomb Dome am Peace Park und haben das Atomic Bomb Museum und Peace Memorial besucht, und vieles über die Geschichte und Menschen sowie ihrer Nachfahren gelernt, die zu dieser Zeit hier lebten. Zum Schluss waren wir gemeinsam Okonomiyaki essen, eine Art Pancake mit Soba- oder Udonnudeln und unterschiedlichen Toppings, eine der Spezialitäten aus Hiroshima. Ein wichtiger Tag, um diese Tour einzustimmen!

Tag 2: 21.9.
Von Hiroshima nach Yuu

Nach dem ersten Kennenlerntag startete die eigentliche Fahrradtour an der Hiroshima University Medical School. Von dort testeten wir die neuen Räder bis zum Atomic Bomb Dome, wo uns Journalist*innen des japanischen Nationalfernsehens erwarteten. Unsere International Student Representative Stella und die Hauptorganisatorin und japanische Medizinstudentin Kanon wurden hier interviewt.

Die Strecke begann mitten in der Stadt bei großer Hitze, die wir noch nicht gewohnt waren. Die 65 Kilometer des ersten Tages waren demnach etwas anspruchsvoller als an den darauffolgenden Tagen. Trotzdem hat sich die Strecke sehr gelohnt. Nach dem Verlassen des Stadtgebiets folgten wunderschöne Aussichten über das Meer, die den 5 km langen Anstieg mit 500 Höhenmetern und nennenswerter Steigung begleiteten. An diesem Tag lernten wir Onigiris – die dreieckigen Sushibällchen –  lieben, da sie uns in den Pausen immer wieder reichlich Energie lieferten. Die Gesamtzahl an verfutterten Onigiris bis zum Ende der Woche muss unglaublich hoch sein!

Aufgrund der hereinbrechenden Dunkelheit am Ende der Strecke mussten unerwartet einige Teilnehmer*innen in den Van steigen, der uns die komplette Tour mit unserem Gepäck, reichlich Onigiris und Bananen, Sportsdrink und viel guter Laune begleitete. Wir ließen den Abend bei einem leckeren Curry ausklingen, das von den japanischen Studierenden, die die Fahrradtour organisierten und begleiteten, selbst gekocht wurde. Vor dem Schlafengehen wurde noch ein kurzes Meeting einberufen, um miteinander zu reflektieren, schöne und schwierige Momente zu teilen, voneinander zu lernen und einander Motivation und Energie für die kommenden Tage zu geben.

Tag 3: 22.9.
Von Yuu über den Hafen Tokuyama und den Hafen Takeda nach Bungotakada

Dieser Morgen war besonders, denn wir machten uns schon um fünf Uhr im mysteriösen Licht der Dämmerung auf den Weg den Berg hinunter Richtung Fähre. So langsam ging die Sonne über dem Meer auf, sodass wir einige von Japans Inseln durch den Nebel erkennen konnten. Wir durchquerten dabei Bambuswälder und mussten einige umgefallenen Bambusstäbe aus dem Weg räumen. Davon ließen wir uns aber nicht aufhalten! Zügig fuhren wir die Küstenstraßen entlang, um die einzige Fähre des Tages um 11:30 zu erwischen, dessen Startpunkt 50 Kilometer entfernt lag. Während der zweistündigen Überfahrt schliefen viele von uns auf dem Deck in der Sonne, begleitet von einer leichten angenehmen Brise, oder nutzten die Zeit um ihre Beine etwas auszuruhen. Nach der Ankunft auf der Halbinsel Kyushu, fuhren wir nochmal 35 Kilometer über einige Hügel bis nach Bungotakada. So langsam fanden wir uns als Team ein und die Stimmung wurde immer ausgelassener. Auch wenn ein paar Teilnehmer*innen zwischendurch absteigen mussten, unterstützten wir uns gegenseitig und kamen sicher im Hotel an. Der erste Muskelkater war nun schon spürbar, aber die Vorfreude auf die nächsten Tage und der Zusammenhalt im Team ließen uns die schweren Beine ganz schnell vergessen. Hier endeten wir den Tag wieder mit einer Teambesprechung und einigen Partien Uno, die von Runde zu Runde intensiver wurden und ihren Höhepunkt am letzten Tag der Fahrradtour erreichten.

Tag 4: 23.9.
Von Bungotakada nach Nakatsu

Der Tag begann mit einem sehr typischen japanischen Frühstück mit Reis, rohem Ei, Seetang und Fisch. Wir freuten uns auf einen weniger anstrengenden Tag mit viel Sightseeing und Zeit für lange Gespräche, Austausch und Reflektion. Nach wenigen Kilometern stoppten wir im Peace Museum in Usa, wo wir über die Kamikazemissionen am Ende des Zweiten Weltkriegs lernten. Die damalige politische Situation beschäftigte und sehr, sodass wir viele Fragen stellten und miteinander diskutierten. Anschließend sahen wir uns einen Flugzeugbunker vom zweiten Weltkrieg an. Zum Mittagessen gab es Bento, worüber wir uns sehr freuten. Anschließend hatten wir die Möglichkeit den Usa-Jingu-Schrein zu besichtigen. Dieser war durch seine großen Torii, wunderschönen Gärten und zahlreichen glänzenden Koi-Fischen sehr besonders. Hier lernten wir über die Shintokultur Japans und dessen Einfluss über die Jahrhunderte hinweg. Trotz einem platten Reifen, kamen wir durch ewige Reisfelder und Nebel, an Bergketten und Flüssen vorbei, sicher und erfüllt im Hotel an. Wir nutzten den Abend wie immer für gemeinsame Reflektion und Vorbereitung des nächsten Tages.

Tag 5: 24.9.
Von Nakatsu nach Ukiha

Der fünfte Tag wurde schon weit im Voraus als die größte Herausforderung der Woche angekündigt, sodass wir alle mental auf 65km auf den sogenannten „mountain day“ vorbereitet waren. Dafür wurden mehrere Abholstationen von den japanischen Studierenden festgelegt, falls eine Person eine Pause brauchte. Wir hatten viel Respekt und fast etwas Angst vor dem bevorstehenden Tag, aber am Ende wurden wir sehr positiv überrascht, da die Route von wunderschöner Natur mit beeindruckenden Bergketten und den saftigsten grünen Reisfeldern geprägt war. Am Ende realisierten wir, dass dies unser Lieblingstag wurde! Die abendlichen Reflektionsrunden wurden immer ausgelassener und waren von witzigen Anekdoten, geteilten Momenten, Mitgefühl und zahlreichen lustigen Momenten geprägt. An diesem Tag merkte man besonders, wie die Anspannung abfiel, nachdem der als am anstrengendsten angekündigte Tag überwunden war. Wir freuten uns außerdem über Zuwachs zur Gruppe durch weitere japanische Studierende aus Nagasaki.

Tag 6: 25.9.
Von Ukiha nach Yame

Der sechste Tag der Tour führte uns an der historischen Stätte Yoshinogari in Saga vorbei, wo wir viel über die Yayoi-Bevölkerung lernten, den ersten Siedler*innen in Japan. Es war der heißeste Tag der Woche, sodass die 70km Weg schwerer waren als erwartet und wir oft bei den japanischen Minisupermärkten  anhielten, um neue Snacks und Erfrischungsgetränke zu kaufen. Die Sonne hinterließ den ein oder anderen Sonnenbrand, und verschwand dann ganz schnell am Ende des Tages hinter großen Regenwolken. Wir hatten Glück nur wenige Minuten vor dem großen Schauer im Hotel anzukommen. Wieder ließen wir den Tag mit einer chaotischen Runde Uno ausklingen.

Tag 7: 26.9.
Von Yame über Nagasu Hafen und Taira Hafen nach Kobe

Ein letztes Mal fuhren wir ganz früh los, um die Fähre vom Hafen Nagasu zum Hafen Taira zu erwischen. Nach 45 Minuten auf dem Wasser erreichten wir die Präfektur Nagasaki. Der Gedanke, jetzt schon auf der Insel unseres Hauptziels zu sein, beflügelte uns alle. Bei der Ankunft konnten einige von uns nicht widerstehen und sprangen direkt ins Meer. Wir verbrachten die Nacht in einer traditionellen Jugendherberge mit Onsen (einer heißen Quelle) und Schlafsaal, wo wir Futon-Matratzen am Boden auslegten. Dieser Abend war vor allem besonders, da uns die japanischen Studierenden beibrachten, Origamikraniche als Friedenssymbol zu falten und unsere Friedensnachrichten auf diesen zu verewigen.

Tag 8: 27.9.
Von Kobe nach Obama

Der vorletzte Tag führte uns am Shimura Castle vorbei und dann einen 80 Kilometer langen Weg an der Küste entlang um den Unzen-Amakusa National Park und dessen gesamte Halbinsel.

Tag 9: 28.9.
Von Obama nach Nagasaki

Nur noch 50 Kilometer hatten wir bis zum Ziel, welche uns nochmal alles abverlangt haben – immense Hitze, hohe Berge, Regenschauer. Bei der Ankunft wurden wir von einem Presseteam im Nagasaki Peace Park empfangen und besuchten dann das Nagasaki Atomic Bomb Museum. Hier lernten wir sehr viel über die geschichtlichen Zusammenhänge und Hintergründe der Atombombenabwürfe, die unvorstellbaren Folgen und die bestehenden Friedensinitiativen, um Atomwaffen abzuschaffen und Überlebende zu unterstützen.  Den Abend ließen wir ausklingen bei einem Kalligrafie-Workshop, bei dem wir einzelne Worte auf Kanji zeichneten, die unsere Erfahrungen während der Fahrradtour gut beschrieben hatten. Damit begannen wir auch unsere letzte Reflektionsrunde, die vor allem durch unvorstellbar viel Dankbarkeit und Wertschätzung für das Organisationsteam der JPPNW, aber auch für jede einzelne Person, die an der Tour teilgenommen hat, geprägt war. Sich nach dieser intensiven Woche zu verabschieden war wirklich schwer, aber die Vorstellung in 2,5 Jahren wieder eine Fahrradtour gemeinsam zu schafften, stimmte uns alle sehr positiv.

Diese Tour war mehr als Sport. Sie hat eine Gemeinschaft geschaffen, Hoffnung gegeben, Freundschaften geformt und unsere Motivation, weiter für Frieden einzustehen, verstärkt. Sie war ein Weg der Begegnung: zwischen Studierenden, zwischen Kulturen, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wir sind als Gruppe zusammengewachsen, haben uns kennengelernt, uns über andere Kulturen ausgetauscht und neue Perspektiven gelernt. Und wir haben verstanden: Frieden ist wie eine Fahrradtour. Es geht bergauf, bergab, manchmal droht man zu straucheln, aber wenn man zusammenhält, erreicht man das Ziel.

Lena Gedat, Stella Ziegler, Anna Khouri sind Medizinstudierende und IPPNW-Mitglieder.