Der kleine Unterschied…

Fahnen vor den Wahlbüros der Parteien in Diyarbakir

Fahnen vor den Wahlbüros der Parteien in Diyarbakir

Kleine Fahnen über der Straße weisen auf sie hin, auf die Wahlbüros der Parteien. Vor dem einen Wahlbüro steht ein Polizeiauto. Wenn Du ein Gespräch im Büro der anderen Partei führst, wirst Du anschließend von der Zivilpolizei nach Deinem „Pass“ gefragt. Dieser wird fotografiert und wer weiß wo hin geschickt und gespeichert, und Du wirst dann von dieser Zivilpolizei noch über eine längere Zeit begleitet. Es scheint so: Ein Gespräch mit der in Opposition zur Regierung, aber legalen Partei HDP, ist für den türkischen Staat schon eine Gefahr. Umgekehrt muss wohl die Regierungs-AKP befürchten, ohne Polizeischutz in der schönen Stadt Diyarbakir und nicht nur in dieser Stadt im Südosten der Türkei nicht leben zu können.

Im Gespräch mit der einen Partei ist die Welt in Ordnung. Es gibt keine großen Probleme. Kleine Probleme sind wie in jedem Staat und in jeder Stadt vorhanden. Die sind aber lösbar und werden in kurzer Zeit gelöst werden können. Ohne dass der Gesprächspartner rot wird, werden faustdicke Lügen verbreitet.

Mit einem sorgenvollen Blick und betroffen über die Realität in der Türkei, die vielen Entlassungen aus dem Beruf und Verhaftungen aus politischen Gründen verlässt man dagegen das HDP-Büro. Die Behinderung der Justiz, die Verletzung der Menschenrechte, die totale Verzweiflung von Menschen, so dass sie als einzige Möglichkeit der Aktion einen Hungerstreik sehen, und einige sich aus dieser Verzweiflung heraus getötet haben, machen betroffen.

Es gibt einen kleinen Unterschied beim Besuch der Parteien AKP und HDP in der Türkei.

Friedrich Vetter war Teilnehmer einer Reise von IPPNW-Mitgliedern und Friedensaktivisten in die Türkei.