Friedensfähig statt kriegstüchtig – Perspektiven aus dem Gesundheitswesen: unter diesem Motto stand die diesjährige IPPNW Peace Academy vom 6.-8. März 2026. Rund 25 junge Menschen aus ganz Deutschland haben sich in der Jugendherberge in Berlin-Wannsee getroffen, um sich zu medizinischer Friedensarbeit und der Militarisierung des Gesundheitswesens weiterzubilden, ihre eigene Rolle als Friedensstifter*in zu reflektieren und durch Argumentations- und Aktionstraining konkrete Skills zu erproben, diesen schwierigen Themen auch in ihrem (Berufs-)Alltag begegnen zu können. Dabei die Ambivalenzen und vermeintlichen Handlungszwänge, die in Politik und Gesellschaft oft unhinterfragt alternativlos dargestellt werden, zu entlarven, sich zu positionieren und Strategien zu entwickeln, war eine Aufgabe, die nicht immer leichtfiel und auch außerhalb der Seminareinheiten zu angeregten und anregenden Gesprächen und Diskussionen geführt hat.
Ein thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr war anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März die Perspektive von Frauen in bewaffneten Konflikten und Kriegen sowie geschlechterbasierte Gewalt. Zu diesem Zweck waren Sonntagvormittag drei Frauen eingeladen, die ihre Geschichten mit den Teilnehmenden geteilt haben. Als einer der bemerkenswertesten Beiträge an diesem Wochenende hat Dr. Tasabih Mohamed, sudanesische Ärztin und Mitgründerin der Organisation Women Beyond Silence, von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen als Geflüchtete in Ägypten berichtet. Zusammen mit anderen Frauen organisiert sie dort unter anderem „Tee-Runden“, bei denen die geflüchteten Frauen über ihre Erfahrungen sprechen können und quasi in einer „gemeinsamen Gruppentherapie“ einen Umgang mit dem unsagbaren Leid finden und sich gegenseitig unterstützen können. Es brauche mehr Wut in der Welt – aber eine, die nicht hasserfüllt und rachelüstern ist, sondern die sich (wie auch in Tasabihs Fall) in einer konstruktiven und bewegenden Weise äußert. „We heal what they destroy“ war der Tenor ihres Beitrags, der Mut machte und die enorme Resilienz und Hartnäckigkeit hervorhob, die in der Friedensarbeit notwendig ist. Die Klarheit, mit der sie die Gräueltaten in ihrer Heimat benannt und uns gleichzeitig auf sehr empathische Weise aufgefordert hat, die Wut in uns zu nutzen, uns zu verbinden und die Stimme für diejenigen zu erheben, die selbst nicht gehört werden, hat viele in dem Raum am Wochenende tief berührt.
„Macht sichtbar und bildet Banden“ war auch das Motto des Inputs von Leonie Maier, Ärztin und IPPNW-Mitglied, über den von ihr mitgegründeten Verein „ROSA e.V.“ (Rolling Safespace). ROSA stellt seit 2021 Safer Spaces für Frauen in Geflüchtetenlagern in Griechenland bereit und setzt damit einen Fokus auf Gender in der humanitären Hilfe. Als letzter inhaltlicher Beitrag der Peace Academy hat dieses Projekt, das vor fünf Jahren von sieben Freund*innen gegründet wurde, sehr viel Hoffnung gegeben und eindrucksvoll bewiesen, dass das eigene Engagement wirkungsvoll und wichtig ist.
Auch das sonnige Wetter, das zum Einläuten der Badesaison mit einer ausgiebigen Kaltbade-Session im Wannsee eingeladen hat, hat seinen Beitrag zu dem erfolgreichen Gelingen dieser Peace Academy beigetragen und die Teilnehmenden mit einem guten und bestärkten Gefühl der Verbundenheit auseinandergehen lassen. Insgesamt ein sehr gelungenes Wochenende, das viele neue Optionen und Perspektiven eröffnet hat und ein weiteres Mal gezeigt hat, wie empowernd, heilsam und motivierend es ist, sich mitgleichgesinnten Menschen zusammenzuschließen, um gemeinsam der Gewalt und Ungerechtigkeit etwas entgegensetzen zu können.
Antonia Koschny studiert Nachhaltige Sozialpolitik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Sie hat die Peace Academy 2026 mit organisiert.