Eine Zukunft ohne Atomwaffen

Gruppenbild der Teilnehmer*innen des IPPNW-Weltkongress 2025 in Nagasaki, Japan4. Oktober 2025, Tag 3 des IPPNW Weltkongresses in Nagasaki

Lost in translation in Nagasaki? So geht es uns häufig hier in Japan und nicht immer hilft dann die Sprach-App weiter. Aber dank der großen Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die uns hier entgegengebracht wird, lassen sich alle Probleme schnell lösen. Noch beschwingt von der Dinner-Party am Vorabend mit dem Beisammensein und vielen guten Gesprächen mit Menschen aus aller Welt machen wir uns auf zum dritten Kongresstag. Es nieselt etwas, aber es ist warm, ein Stück verlängerter Sommer, der zu Hause schon zu Ende war.

Zentrales Thema auf der heutigen Plenarsitzung ist die atomare Bedrohung im Asiatisch-Pazifischen Raum. Insgesamt ist das atomare Risiko durch die Atommächte Nordkorea, USA, China, Russland, Indien und Pakistan in dieser Weltgegend gestiegen. Tausende Kilometer von Europa und dem Ukrainekrieg entfernt, erleben wir hier einen ganz anderen Blickwinkel auf die Konflikte der Welt.

Dr. Tatsujiro Suzuki vom ‚Research Center for Nuclear Weapons Abolition‘ der Universität Nagasaki, spricht über die Erosion des nuklearen Tabus in Japan und die zunehmende Zusammenarbeit Japans mit der amerikanischen Nuklearwaffenstrategie. Akira Kawasaki von Peace Boat betont eine nachhaltige Sicherheitspolitik und ist engagiert in der japanischen Kampagne zum AVV-Beitritt. Sue Wareham, Präsidentin der Medical Association for Prevention of War in Australien, warnt vor dem Anstieg der Militärausgaben, der den Geist der Atomwaffenfreien Zone Südpazifik untergräbt. Ein Krieg zwischen USA und China müsse unbedingt verhindert werden, Atomwaffen müssen delegitimiert und die „Abschreckung“ infrage gestellt werden. Youngah Lee, Managerin des Centers for Peace and Disarmament, berichtet über die wachsende Gefahr einer nuklearen Eskalation auf der koreanischen Halbinsel und warnt davor, dass Südkorea zum vorgelagerten Stützpunkt der USA für die Eindämmung Chinas wird. Anstatt zu einem Friedensregime überzugehen, konzentrierten sich Nord- wie Südkorea auf die Vorbereitung eines Krieges. Die gemeinsamen Militärübungen von Südkorea und die latente nukleare Kooperation mit den USA müsse beendet werden. Inzwischen befürworteten 71 % der Südkoreaner eine nukleare Teilhabe wie in der NATO. Stattdessen, so Youngah Lee, müsse Südkorea am AVV im Beobachterstatus teilnehmen.

Im anschließenden gut besuchten russisch/amerikanischen Workshop zur Rolle von Wissenschaft und Diplomatie geht es um die europäische Sichtweise. Ira Helfand aus den USA und Olga Mironova, Co-Vorsitzende aus Russland, blicken zurück in die Gründungszeit der IPPNW in den 80-er Jahren und vergleichen sie mit der heutigen Situation. Trotz der verbesserten technischen Kommunikationsmöglichkeiten würden menschliche Kontakte zwischen West und Ost durch ein gewachsenes Misstrauen und gegenseitige Feinbildnarrative gestört. Große Hoffnung wird in den zivilgesellschaftlichen Austausch gesetzt, der auf allen Ebenen dringend gefördert werden muss.

Ein weiterer Workshop beschäftigt sich mit der Gefahr von künstlicher Intelligenz in Verbindung mit Atomwaffen.

Das letzte Plenum des Kongresstages wird von Dr. Makoto Matsumara, dem Präsidenten der Hiroshima Medical Association, eröffnet. Was kann die medizinische Community zur Verhinderung eines Atomkrieges beitragen? Er schließt mit „Gib niemals auf, höre niemals auf!“ Es sprechen Enas Osama Hassan Omer aus dem Sudan von der Internationalen Vereinigung der Medizinstudierenden und Frau Professor Yamaura-Teshima von der internationalen Vereinigung der Krankenschwestern: „Pflegekräfte sind nicht nur Gesundheitspflegende, sondern Friedensstifter*innen und betreiben Prävention an erster Stelle.“ Dr. Sandro Demaio von der WHO weist noch einmal auf den Erfolg der WHA-Resolution vom Mai 2025 hin, bis 2029 ein Update zu den gesundheitlichen Atomwaffenfolgen vorzulegen.

In einem der letzten Workshops des Tages berichtete eine sehr betagte Atombombenüberlebende in sehr berührender Weise von ihren persönlichen Erlebnissen. Es ist eine besondere Erfahrung, dies an dem Ort zu erleben, an dem die Zündung der Atombombe unermessliches Leid über die Menschen dieser Stadt brachte.

Es gibt keine Alternative zur Abschaffung dieser Waffen!

Ute Rippel-Lau ist Ärztin und ehemaliges Vorstandsmitglied der IPPNW Deutschland.