Frauen und Medizin auf dem Balkan

Bridges of Understanding

Netzwerk-Treffen in Banja Luka unter dem Motto: Women in Medicine

Seit dem Jahr 1995 werden Medizinstudierende aus den verschiedenen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens im Rahmen des IPPNW-Programms „Bridges of Understanding“ nach Würzburg eingeladen, um dort ein einmonatiges Praktikum in der Missionsärztlichen Klinik/Juliusspital (Klinikum Würzburg Mitte) zu leisten. Sie haben Einblick in die verschiedenen Fachbereiche, wohnen gemeinsam im Haus St. Michael in der Nähe des Krankenhauses und werden von IPPNW-Medizinstudierenden betreut. Alljährlich findet zudem ein Netzwerk-Treffen auf dem Balkan statt. In diesem Jahr trafen sich die Teilnehmer*innen vom 03.-05. Mai 2018 in Banja Luka in Bosnien und Herzegowina.

Ein Wochenende lang wurde diskutiert, es wurden Freundschaften gepflegt und Kontakte geknüpft. Eingeladen waren die ehemaligen und zukünftigen Teilnehmer*innen des  Programms sowie die regionalen IPPNW-Mitglieder, deutsche Mitglieder der IPPNW und der Regionalgruppe Würzburg. Dieses Jahr war zudem der österreichische IPPNW  Präsident Dr. Klaus Renoldner als Dozent zu Gast.

Ein erster interessanter Eindruck des diesjährigen „Western Balkan Meeting“ war die Stadt Banja Luka, die umrahmt von einer grünen Hügelkette am Ufer des Flusses Vrbas liegt. Im Volksmund heißt es, in Banja Luka gebe es doppelt so viele Bäume wie Menschen; jedoch ist dieStadt nach Sarajevo mit etwa 185.000 Einwohnern die zweitgrößte des Landes.

Banja Luka

Sehenswürdigkeiten in Banja Luka – Kirche

Vor dem Krieg war die Stadt ethnisch stark gemischt. Heute wird die Region hauptsächlich (ca 90%) von Serben bewohnt. So ist Banja Luka zudem der Regierungssitz der Republika Srpska. Als Sehenswürdigkeit ist die beindruckende wiedererbaute  Ferhadija Moschee zu nennen, die im Krieg 1993 gesprengt wurde. Ebenso imposant ist die Festung „Kastel“, die schon zu Zeiten der Römer angelegt wurde und noch bis heute größtenteils erhalten ist.

Sehenswürdigkeiten in Banja Luka

Sehenswürdigkeiten in Banja Luka

Unter dem diesjährigen Motto „Women in Medicine“ begann das Treffen mit beeindruckenden, starken Ärztinnen, die ihren beschwerlichen Werdegang beschrieben und sich trotz Krieg in der Vergangenheit nicht entmutigen ließen heute verantwortungsvolle Tätigkeiten auszuüben, ob medizinisch und/oder auch politisch.

IPPNW women in medicine

Bridges of Understanding

Netzwerk-Treffen in Banja Luka unter dem Motto: Women in Medicine

Besonders hervorzuheben ist der ausführliche Beitrag vom österreichischen IPPNW Präsident Dr. Klaus Renoldner: Wie wir Ärztinnen und Ärzte aus medizinischer Sicht Argumente finden für eine klimafreundliche Lebensweise, wie z.B. Fahrradfahren, was wiederum deutliche positive Effekte auf unsere Gesundheit zur Folge hat. Ein eindrückliches Beispiel wie wir als „Medical Professionals“ unbedingt für eine klimafreundlichere und gesündere Zukunft eintreten müssen; nicht bald, nicht morgen, sondern jetzt!

Climate Change and Health - What about prevention?

Vortrag von Dr. Klaus Renoldner

Zahlreiche weitere Themen wurden in Vorträgen, Filmbeiträgen und in anschließenden Diskussionen erörtert: Die Problematik und fehlende Lobby für seltene Erkrankungen, nukleare Gefahren, Prävention in der Public Health oder Mimik und Gestik als bedeutende Kommunikationsform.

Zum Schluss wurde die Präsentation der ehemaligen Teilnehmer*innen von „Bridges of Understanding 2018“ präsentiert: Eine beeindruckende wissenschaftliche Umfrage zum Thema „Gender equality“ in allen teilnehmenden Ländern von Bridges of Understanding mit 500 Datensätzen! Darin zeigte sich eine beunruhigende Benachteiligung von Frauen und weit verbreitete Stereotypien. In eindrücklichen Zahlen und Diagrammen wurde dies verdeutlicht und soll für uns alle ein Appell sein, dass Vorurteile weiter abgebaut, die Positionen von Frauen gestärkt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf poliltisch gefördert werden. Und auch Männer müssen daran aktiv teilnehmen!

Bridges of Understanding

Bridges of Understanding

Eine wunderbare Abwechslung war es, sich abends ein prachtvolles, gemeinsames Mahl zu gönnen mit regionalen Spezialitäten und natürlich viel persönlichem  Gedankenaustausch. Wer noch Energie hatte, schwang anschließend noch das Tanzbein. Gemeinsam das Leben und die Gemeinsamkeit zu feiern, gehört einfach dazu!

Es ist schön, mitzuerleben, wie das Netzwerk der Balkan-IPPNW weiterhin eine aktive Rolle in der Gesellschaft übernimmt. Auch dieses Jahr war das „Western Balkan Meeting“ eine wundervolle Erfahrung.

Wir freuen uns schon heute auf die Fortsetzung der Treffen: Im kommenden Jahr 2020 geht es in die Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas, nach Sarajevo. Aber erst einmal findet in Würzburg wieder das jährliche Zusammentreffen verschiedenen Balkan Studierenden statt; vier Wochen Zeit um Kontakte zu knüpfen, Brücken zu bauen und letztlich Klüfte zu überwinden: Bridges of Understanding!

Volker Liebendörfer ist Arzt in Weiterbildung, Pädiatrie im Klinikum Würzburg Mitte und Mitglied der IPPNW Würzburg.

Ein Gedanke zu „Frauen und Medizin auf dem Balkan

  1. Schön, dass die Moschee zumindest wieder in Banja Luka aufgebaut wurde. Ich habe sie damals unmittelbar nur nach der Zerstörung gesehen. Toll, dass sich das IPPNW-Projekt bis heute fortentwickelt hat. In solch immer noch nationalistischer Umgebung ist es ein Lichtblick. Ich wünsche und hoffe, dass diese Begegnungen langsam Früchte tragen und zur „gesellschaftlichen Samenbank“ oder „Humus“ wird. Es wäre nur zu wünschen. Krieg als die schlimmste gesellschaftliche Krankheit kann nur durch diese vielen verschiedenen Blüten und Blumen überwuchewrt und beseitigt werden. Elu

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