Frauenprojekte in Diyarbakır

Die Vorstandsvorsitzenden des Frauenvereins „Rosa“. Foto: IPPNW

Frauenverein Rosa:
Letztes Jahr war das Zentrum in Kayapinar, einem der modernen Viertel von Diyarbakır, gerade eröffnet worden. Inzwischen hat sich die Arbeit gut entwickelt. Wegen Corona ist auch hier zurzeit kein Publikumsbetrieb. Die Frauen des Vorstands haben sich getroffen, um die Räume gründlich zu reinigen. Es riecht nach Desinfektionsmittel.

Sie beobachten, dass es in der kurdischen Gesellschaft immer mehr Gewalt gibt und führen das auf den lang andauernden Krieg, nicht nur auf die historischen patriarchalen Strukturen zurück. Ihrer Meinung nach muss nicht nur von Gewalt betroffenen Frauen geholfen werden, es müsse vielmehr die von Öcalan begonnene Befreiung der Frau auf allen Ebenen durchgesetzt werden. Nur wenn Frauen wirklich an allen Entscheidungen beteiligt würden, werde sich die Gesellschaft ändern. Davon seien sie noch weit entfernt. Die Vorstellung, dass gewalttätige Männer psychologische Hilfe brauchen könnten, um ihre Ausbrüche zu kontrollieren, sei hier sehr fremd. Die Veränderung des Rollenverständnisses müsse bei der Erziehung der Kinder anfangen. Hier gebe es unter der AKP-Regierung Rückschritte. Die alternativen Kindergärten wurden geschlossen oder in religiöse Kindergärten umgewandelt.

Die Frauen von Rosa sehen ihre Aufgabe, neben der konkreten Hilfe für Gewaltopfer, vor allem in der Dokumentation und in der Bildung von Frauen. Mit den Frauenzentren und dem Frauenhaus von der AKP-Verwaltung arbeiten sie nicht zusammen, können aber Frauen dorthin vermitteln. Es gibt eine Plattform aus Gesundheitsgewerkschaft, Ärztekammer, Anwaltskammer und ihnen, in der sie über Frauenrechte und gesellschaftliche Probleme diskutieren, konkrete Fälle beraten und Hilfe koordinieren sowie zweimal im Jahr einen Bericht herausgeben. Solche interdisziplinären Gespräche sind schwierig, wie wir es aus unseren eigenen Erfahrungen kennen. Man muss erst eine gemeinsame Sprache finden, bevor man konstruktiv zusammen arbeiten kann.

Die Frauen können zunehmend Mitglieder gewinnen, die zusätzlich zu Spenden mit ihren Beiträgen zur Finanzierung beitragen. Im Moment werden sie vom Staat weitgehend in Ruhe gelassen.

Der Markt der Frauen von Bağlar:

Gemüseverkäuferinnen auf dem Markt der Frauen. Fotos: IPPNW

Wir treffen die Vorstandsvorsitzende Xezal auf dem Markt zwischen Bağlar und Kayapinar inmitten moderner Hochhäuser. Es gibt noch einen Grünstreifen zwischen den Stadtteilen, auf dem ein kleiner Bauernhof liegt und Kühe grasen. Ein Teil des Landes ist städtisches Eigentum. Es soll nicht bebaut werden. Die Stadt plant hier einen kleinen Park.

Die Frauen können ihren Markt an drei verschiedenen Orten in Bağlar abhalten. Sie haben deutlich mehr Marktstände als im letzten Jahr. Die Kommune unterstützt sie, hat ihnen sogar öffentliche Toiletten aufgestellt. Die Angriffe durch die Männer, über die sie letztes Jahr geklagt haben, haben nachgelassen. Der Männermarkt, der am Samstag stattfindet, macht ihnen allerdings Konkurrenz. Vor kurzem haben sie jetzt endlich richtige Marktausweise bekommen, die aussehen wie die der Männer. Vorher gab es nur Provisorien. Trotz Corona herrscht lebhafter Betrieb und Handel. Vor allem gibt es Gemüse, Kräuter und Obst, auch Fleisch – vor allem Innereien – Fisch und Kleidung. Alles sieht wunderbar frisch und appetitlich aus.

Der Markt gibt Frauen, die sonst keine Arbeit haben und häufig ihre Männer verloren haben, geschieden oder Opfer von häuslicher Gewalt sind, die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Dr. Gisela Penteker ist IPPNW-Mitglied und Türkei-Beauftragte der IPPNW.

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