Interkulturelle Räume schaffen: Bericht aus der Studierendenarbeit

Rückblick auf den IPPNW-PMSA Hackathon im Juli 2025

Im Juli 2025 konnten wir gemeinsam mit der Palestine Medical Students’ Association (PMSA) einen viertägigen Online-Hackathon organisieren, ein intensives, bereicherndes Projekt, das aus dem Wunsch entstand, das Refugee Camp Project (ReCap) nach einer Pause wiederzubeleben. ReCap, das ursprünglich als Präsenzprojekt in der Westbank stattfindet, ermöglicht seit Jahren den internationalen Austausch von Medizinstudierenden und schafft Raum für Begegnung, Lernen und Solidarität. Durch den Kontakt über Anne Jurema und die bisherigen ReCap-Organisator*innen kamen wir mit Areej Milhem, der aktuellen ReCap-Koordinatorin der PMSA, in Verbindung und begannen gemeinsam, dieses neue digitale Format zu entwickeln.

Ein Hackathon – für viele vielleicht ein noch ungewohntes Format  ist ein mehrtägiges, kooperatives Treffen, bei dem sich Menschen in Gruppen zusammenfinden, um in kurzer Zeit kreative, lösungsorientierte Ideen zu konkreten Herausforderungen zu entwickeln. Unser Fokus lag auf der Situation der Gesundheitsversorgung in Palästina – auf strukturellen Problemen, auf dem alltäglichen Ausnahmezustand unter Besatzung, auf der Lücke zwischen medizinischem Wissen und tatsächlicher Versorgung.

Über vier Tage kamen etwa 30 Medizinstudierende aus Palästina, Deutschland, Marokko, der Türkei und den Philippinen zusammen. Der Austausch war interkulturell, interdisziplinär und zutiefst menschlich. Ehemalige ReCap-Teilnehmer*innen berichteten eindrücklich von ihren Erfahrungen vor Ort, von persönlichen Begegnungen, politischem Alltag und medizinischen Herausforderungen in der Westbank. Palästinensische Studierende gaben Einblick in ihr Studium, ihre Arbeitsrealität und die Bedingungen, unter denen sie sich in einem Gesundheitssystem bewegen, das ständig unter Druck steht durch Checkpoints, Materialmangel, Personalknappheit und strukturelle Ungleichheit.

Die Themen, denen sich die Teilnehmenden in fünf Gruppen widmeten, spiegelten genau diese Realität wider: Es ging um die Lücken bei der Beatmung von Patient*innen, um die Versorgung von Neugeborenen in unterversorgten Gebieten, um regionale Gesundheitsstrukturen im Kontext von Public Health, um den Mangel an medizinischem Personal und um die Auswirkungen von Bewegungseinschränkungen auf die medizinische Versorgung. Jede Gruppe tauchte tief in ihre Fragestellung ein, recherchierte, analysierte, entwickelte Ansätze und entwarf Projektideen, die kreativ, fundiert und beeindruckend durchdacht waren.

Am letzten Tag stellten alle Gruppen ihre Ergebnisse in kurzen Präsentationen vor. Was dabei entstand, war mehr als nur eine Sammlung von Ideen: Es war Ausdruck von Solidarität, Fachwissen, Neugier und dem Wunsch, die eigene Rolle als angehende Mediziner*innen im globalen Kontext zu reflektieren. Die Begeisterung war auf allen Seiten spürbar – in der Tiefe der Diskussionen, der Energie in der Gruppenarbeit und im ehrlichen, durchweg positiven Feedback nach Abschluss des Projekts.

Auch wenn der Hackathon als digitale Alternative zum ursprünglichen ReCap-Projekt gedacht war, zeigte sich schnell, dass dieses Format ganz eigene Stärken entfalten kann: Es war niedrigschwellig, zugänglich, international und ermöglichte vielen Menschen die Teilnahme, für die eine Reise in die Westbank nicht möglich gewesen wäre. Gleichzeitig bewahrte es den Geist von ReCap – den Wunsch, durch Austausch, Begegnung und gemeinsame Arbeit Brücken zu bauen und voneinander zu lernen.

Wir sind sehr dankbar, im Rahmen der IPPNW solche Räume schaffen zu dürfen. Projekte wie dieses zeigen, wie lebendig, solidarisch und engagiert medizinischer Austausch sein kann, und wie wichtig es ist, politische und gesellschaftliche Kontexte mitzudenken, wenn wir über Gesundheit sprechen. Wir hoffen sehr, dass dies nicht das letzte Projekt dieser Art war und freuen uns auf alles, was kommt!

Anna Khouri ist Studierendensprecherin der IPPNW Deutschland.