Ringen um die Wahrheit

Kaoru Maeno war von September-November 2013 IPPNW-Praktikantin, Foto: Xanthe Hall, IPPNW.

18 Monate nach der atomaren Kernschmelze sind die gesundheitlichen Folgen vor allem für Kinder in Fukushima gravierend. In dem international ausgezeichneten Dokumentarfilm „A2-B-C“ von Ian Thomas Ash aus Tokio werden Kinder mit ihren Familien in ihrem persönlichen Alltag begleitet. Der Film zeigt auf berührende Art und Weise, wie sie mit den Folgen der Radioaktivität umgehen und zu kämpfen haben.Die ständige Verharmlosung der Radioaktivität und das Vertuschen von relevanten Informationen gehört zur täglichen Realität und verstärkt das Misstrauen der Menschen gegenüber dem eigenen Staat. Kennen wir dieses Phänomen nicht bereits!? Es erinnert mich stark an den Umgang mit den Folgen der Katastrophe in Tschernobyl. In Japan zeigt sich nun eine ähnliche politische und mediale Situation des Verharmlosens in Bezug auf die radioaktiv kontaminierten Gebiete in Fukushima.

Ian Thomas Ash trifft in seinem Film auf Kinder, die wie alle anderen draußen im Freien spielen wollen – so wie es vor der atomaren Katastrophe möglich war. Für die Kinder gehört ein Dosimeter um den Hals oder an der Schultasche hängend zum Alltag und bestimmt ihr Leben auf Schritt und Tritt. Es gibt Tage, da werden sie in der Schule auch bei windigen Tagen zum Sportunterricht rausgeschickt. Mütter sind empört und können diese Verantwortungslosigkeit und das fehlende Bewusstsein der Schulleitung gegenüber den gesundheitlichen Folgen für ihre eigenen Kinder nicht nachvollziehen.

Nasenbluten, Hautausschlag, Schilddrüsenzysten, -knoten und -krebs gehören inzwischen zu den festgestellten Gesundheitsschäden. Viele Mütter lassen ihre Kinder in Privatkliniken untersuchen, um eine Zweitmeinung zu hören. Den offiziellen medizinischen Einrichtungen trauen sie nicht.

Ian Thomas Ash zeigt in seinem Film japanische Familien zwischen Verzweiflung und Misstrauen und ihren Kampf um die Wahrheit des tatsächlichen Ausmaßes der Katastrophe.
„A2-B-C“ ist eine authentisch bewegende Dokumentation, die sehr zu empfehlen ist. Mehr Informationen zum Film unter www.documentingian.com und www.a2documentary.com

Kaoru Maeno