Streckbetrieb ist Nonsense …

AKW-Weiterbetrieb gefährlich und überflüssig – Stoppt den Unsinn!
Foto- und Protestaktion vor dem Bundestag am 11. November 2022. Foto: Florian Boillot

Streckbetrieb ist Nonsense …

… so skandierten die Teilnehmer*innen an der Protestaktion zur Atomgesetznovelle am Freitag, den 11.11.2022 auf Platz der Republik in Berlin, als der Bundestag über die Laufzeitverlängerung der drei letzten laufenden AKW diskutierte und letztendlich die Atomgesetznovelle verabschiedete, die nötig war, damit überhaupt die geplante Laufzeitverlängerung bis Mitte April beschlossen werden konnte.

BUND, ausgestrahlt und die IPPNW hatten zu der Aktion aufgerufen. Ein dort in der Morgenfrühe aufgebautes riesiges, rauchendes AKW mit Rissen war die Kulisse für Teilnehmerinn*en, um trommelnd auf rostigen Atommüllfässern mit vielen Anti-Atom-Fahnen im Hintergrund und empörten Menschen ihren Protest gegen die aus ihrer Sicht falsche politische Entscheidung zum Ausdruck zu bringen.

„Hier wird ein Gesetz aus falschen Gründen durchgepeitscht. Der AKW-Weiterbetrieb spielt für die Netzstabilität und den Strompreis keine wesentliche Rolle. Er hat keinen echten Nutzen für die Menschen“, so Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND im Vorfeld der Aktion.

Ein Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ist gefährlich und überflüssig.
Das sind dann auch die Gründe, die bewegt haben, um sich morgens um 4:45 in Braunschweig in den Zug bzw. Bus zu setzen und sich auf den Weg nach Berlin zu machen, um als „Delegation“ aus der Region „Weltatomerbe Braunschweiger Land“ und der Arbeitsgemeinschaft KONRAD dabei zu sein, den Protest gegen diese Entscheidung zu unterstützen und im wahrsten Sinne des Wortes die Fahne hochzuhalten: ATOMKRAFT Nein DANKE und KONRAD STOPPEN.

Nach wie vor ist es unglaublich, dass wir Ende 2022 unsere poltische Energie beim Protest gegen die Laufzeitverlängerung einbringen müssen. Wir brauchen diese, unsere Energie eher nötig im Protest und Widerstand gegen das ebenfalls unsinnige Projekt Schacht KONRAD.

Flagge zeigen und hinweisen auf unseren Protest gegen Schacht KONRAD in Berlin war dann auch gut und richtig. Unterstützung kam von den Teilnehmer*innen dafür: „Gut, dass Ihr dabei seid. Und wir wissen, dass Ihr auch unsere Unterstützung braucht.“ So schaffte es dann auch die KONRAD STOPPEN-Fahne gut sichtbar in die Tagesschau.

Trotz des traurigen Anlasses der Aktion war sie dann doch positiv für die Stärkung des gemeinsamen Protestes und Netzwerkes der Anti-Atom-Bewegung. Diese Stimmung  konnte dann ebenfalls abends beim Treffen des Arbeitskreis Wesermarsches mitgeteilt werden.

Der AK Wesermarsch hat seit 1980 um die Stilllegung (abgeschaltet seit 18.03.2011) des Atomkraftwerks Esenshamm gekämpft und begleitet jetzt sehr kritisch den Prozess zur Stilllegung und Rückbau des Atomkraftwerks.

Auch hier waren sich die Beteiligten des Treffens einig, dass es keine guten Gründe für die gerade in Berlin beschlossene Laufzeitverlängerung gibt. Und dass es jetzt umso mehr darauf ankommt, die begründeten Argumente dafür, dass die Laufzeitverlängerung keines der Probleme der aktuellen Energiekrise löst, immer wieder in der Öffentlichkeit und auch im privaten Umfeld zu vermitteln und zu erläutern.

Denn die Gefahr der wieder aufflammenden Diskussion zum Ausstieg aus dem Atomausstieg ist nicht gebannt.

Und so gilt es – immer wieder – unsere mehr als drei guten Gründe dagegen anzuführen:

  1. Was der Stresstest nicht berücksichtigt – neue Stromleitungen, unvollständige Kraftwerksliste (17 GigaWatt)
  2. Wir haben kein Strommengenproblem, sondern ein Netzwerkstabilitätsproblem (Zitat Robert Habeck)
  3. Alle drei AKW’s, die in die Verlängerung gehen, weisen zunehmend Risse und Korrosionen auf; wobei z. T. sogar die Sicherheitskontrollen nicht durchgeführt werden – aus „gutem“ Grund?
  4. Vor allem aber blockierten längere Laufzeiten den dringend nötigen Ausbau der erneuerbaren Energien, so Claudia Kempfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Umweltausschuss bei der Expertenanhörung zur Laufzeitverlängerung am 10.11.2022.

Gute Gründe, die berechtigt aufzeigen, dass die Skandierung von STRECKBETRIEB ist NONSENSE bei der Aktion in Berlin nicht plakativ, sondern gut begründet ist!

Marianne Neugebauer (AG Schacht Konrad)

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