Von der „Abwehr von Abschiebungen“ zur „Abschiebeprävention“ kommen

Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan, Berlin 2017. Foto: IPPNW

Demonstration gegen Abschiebungen nach Afghanistan, Berlin 2017. Foto: IPPNW

Unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit, die nur auf die aktuelle Pandemiesituation in Deutschland zum Mittelpunkt ihrer Berichterstattung abstellt, registrieren wir derzeit eine enorme Zunahme von Abschiebungen und Fällen der zwangsweisen Rückkehr von Menschen, die bei uns eigentlich Schutz suchen wollten. Darunter sind sehr viele Kranke, alte Menschen oder solche, die als besonders verletzlich gelten (Traumatisierte, Behinderte und andere). Die Methoden, um diese schutzwürdigen Menschen außer Landes zu schaffen, werden immer brutaler:

Eine alleinstehende kranke Mutter von drei Kindern wird aus der Klinik nachts von der Polizei geholt und ins Flugzeug nach Albanien gesetzt. Oder ein junger Mann holt sich nichtsahnend das Geld zu seinem Lebensunterhalt von seiner zuständigen Behörde und wird direkt von der Polizei verhaftet und für fünf Tage in ein Gefängnis gesteckt, von wo aus er in sein Herkunftsland zurückgeschickt wird, ohne Möglichkeit, sich von seiner Umgebung, insbesondere seiner Freundin, verabschieden zu können. Weiterlesen

„Wir wollen auch die Friedensutopien der Kinder hören“

Diyarbakir, Kinder am Straßenrand, 2017. Foto: IPPNW (Bild bearbeitet)

Der Verein „CocukCa“ für benachteiligte Kinder,
Onlinebesuch in Diyarbakir am 6. April 2021

Vor unserem eigentlichen Gespräch erfahren wir von Serra, dass es am Vortag eine Razzia im Büro des Frauenvereines „Rosa“ gab, sowie parallel die Festnahme von bisher 22 Frauen, die aber nicht Aktivistinnen dieses Vereins gewesen seien. Das entbehre „wie immer aller Logik“. Sigrid berichtet, dass in der deutschen Presse dazu nur von den üblichen Terrorismusvorwürfen die Rede war. Propaganda und staatliche Repression werden hier nicht weiter hinterfragt.

Spenden aus dem Ausland kontrolliert zuerst der Gouverneur

Es ist ein sehr lebendiges Treffen heute mit Sengül, Cihat, Baris und kurz auch Ramazan, den jungen Leuten von „CocukCa“ (Çocuk Çalışmaları Derneği: Facebook-Seite) aus Sur, der von Belagerung 2016 und Zerstörung betroffenen Altstadt von Diyarbakir. Weiterlesen

Menschenrechte: Internationale Zusammenarbeit und Austausch sehr erwünscht

Diyarbakir 2016. Foto: IPPNW

Diyarbakir 2016. Foto: IPPNW

Ein virtueller Besuch bei der Menschenrechtsstiftung (TIHV) Diyarbakir
2. April 2021

Elif Turan, die junge Ärztin, die wir schon von der Ärztekammer Diyarbakir kennen, Mustafa Altintop, Sozialarbeiter, und Ishak Dadak, klinischer Psychologe, stellen uns heute ihre Arbeit bei der Menschenrechtsstiftung Diyarbakir (TIHV) vor, einem Behandlungs- und Rehabilitations-Zentrum für Folteropfer. Solche Zentren gäbe es aktuell in Istanbul, Ankara, Izmir, Van und Diyarbakir und als Referenzzentrum in Cizre.

Die Arbeit von TIHV

Klient*innen und Hilfesuchende seien Menschen, die staatlicher und politischer Folter ausgesetzt waren. Das seien vor allem Menschen, die lange in türkischen Gefängnissen saßen, Geflüchtete oder Opfer des „Islamischen Staates“. Für unsere Gesprächspartner*innen zählen auch Gewalt bei Festnahmen, Demonstrationen, auf Polizeistationen, in U-Haft und in militärischen Konflikten als Folter. Weiterlesen

„Gewerkschaftsarbeit ist schwierig geworden“

Die Gesundheitsplattform Diyarbakir erinnert an die Covid-19-Toten und warnt vor der Überlastung des Gesundheitssystems. Bild: © Twitter SES Amed / @sesamed21, 01.04.2021  (bearbeitet)

Über die Coronapandemie in der Südosttürkei und die Arbeit der Gesundheitsgewerkschaft SES in Diyarbakir – Online-Besuch am 1. April 2021

Wir sprechen mit dem Ko-Vorsitzenden Siyar Güldiken der Gesundheitsgewerkschaft SES in Diyarbakir, einem Psychologen. Die Ko-Vorsitzende kann nicht teilnehmen, weil sie coronainfiziert und krank ist. Andere Mitglieder sind im Notdienst und lassen grüßen. Güldiken hat an den Fortbildungen teilgenommen, die die Kollegin Neşmil Ghassemlou für die Psychologen in Diyarbakir durchgeführt hat, als das noch möglich war. Er erinnert sich auch gut an frühere Besuche der Gruppe.

Herausforderung für das Gesundheitswesen

Die Pandemie ist unser erstes Thema. Die Belastungen des Gesundheitspersonals sind sehr hoch. In Diyarbakir wurde eine große Klinik als Forschungskrankenhaus für Coronapatient*innen vorgehalten. Weiterlesen