Leben in Hebron: Wer bleibt, wird zermürbt

Hashem vor seinen Olivenbäumen.

Hashem vor seinen Olivenbäumen. Foto: Sonja Siegel

Die Medizinstudentin Sonja Siegel ist mit dem Austauschprogramm “ famulieren und engagieren“ derzeit für zwei Monate in Bethlehem. Hier berichtet sie über einen besonderen Besuch in Hebron:

Am Sonntag war ich erneut in Hebron. Nachdem ich das letzte Mal eine Tour mit ehemaligen israelischen Soldaten mitgemacht hatte, war ich diesmal mit einem palästinensischen Führer unterwegs: Hashem. Die anderen deutschen Famulanten und ich hatten ihn vergangenen Dienstag im Alternative Information Center kennengelernt, als seine Frau und er über die Situation in Hebron auf der Shuada-Street berichteten. Weiterlesen

12 Wochen im „Heiligen Land“

Prozession am Palmsonntag, mit Tausenden, die vom Ölberg herunter zum Löwentor nach Jerusalem pilgern.

Prozession am Palmsonntag, mit Tausenden, die vom Ölberg herunter zum Löwentor nach Jerusalem pilgern. Foto: Monika Schwarzenböck

Seit Anfang Februar bin ich (im normalen Leben Pastoralreferentin in der Klinikseelsorge) in Palästina, im Dorf Qubeibah-Emmaus, ca 12 km von Jerusalem entfernt. Ich habe hier 10 Wochen als Volontärin in einem Pflegeheim für gehandicapte, oft psychisch erkrankte und alte Frauen mitgearbeitet, und war in meiner Freizeit  viel in den erreichbaren Orten der Westbank und in Jerusalem  unterwegs, zu Fuß oder mit den öffentlichen Kleinbussen. Das ist auf Zeit ein Leben als Grenzgänger. Weiterlesen

Brief an meine Freunde in Israel und Palästina

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt aus Düsseldorf und Mitorganisator der IPPNW-Bike-Tour durch Japan 2012

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und stellvertretender Vorsitzender der IPPNW

Liebe Freunde in Israel und Palästina,

wenn ich sage, dass ich in an einen gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern glaube, sagt ihr ich sei naiv, dass ich nicht wisse, wovon ich rede, dass ich die Realität vor Ort nicht kenne.

Wenn ich sage, dass die Regierenden in Israel und Palästina Verantwortung für die Leben und die Sicherheit aller Bürger übernehmen, diesen Krieg beenden, das Schießen aufhören, ihre Hände ausstrecken und einen Weg aus dieser Misere aushandeln müssen, sagt ihr: „Du bist verrückt! Guck dir dieses Video an, wie israelische Soldaten unschuldige Kinder erschießen!“ oder „Wie kannst du so töricht sein! Guck dir dieses Video an, wie Hamas-Kämpfer Israelis aus dem Hinterhalt abschießen!“ Ihr zeigt mir Äußerungen von Hamas-Politikern, die zur Vernichtung Israels aufrufen oder Knesset-Abgeordnete, die palästinensische Kinder als Schlangen bezeichnen und ihren Müttern den Tod wünschen. Ihr schickt mir Bilder brutaler Morde, verbrannter Körper, schießwütiger Soldaten und maskierter Männer mit Blut an ihren Händen. Weiterlesen

Das Recht auf Bewegung

Right to Movement

Graffiti an der Mauer in Bethlehem

Ich steige aus dem Auto und tauche ein in die Welt des Laufsports. Meine Laufgruppe wartet noch auf ein paar Nachzügler, bevor es losgeht. Die Jungs machen gerade ihre Laufuhren zur Distanzmessung bereit, die Mädels daneben laden noch schnell die richtige Musik auf ihre iPods. Wortfetzen erreichen mich und singen das immer gleiche Lied der Läuferszene: „Ich fühl‘ mich heute irgendwie müde“, „Wie viele Kilometer hast du das letzte mal geschafft?“, „Warum ist er denn heute nicht dabei?“. Die bunt gekleidete Läuferin neben mir beklagt sich über die unvorteilhafte Passform ihrer Leggins und ihre Freundin tätschelt den aufgeregten kleinen Hund, während dessen eigentlicher Besitzer sich noch schnell erleichtern geht. „Los geht’s! Wir sind komplett.“ Die Gruppe setzt sich in Bewegung. Weiterlesen