Sie vergessen uns nicht – und das alleine zählt

Die Wohnsiedlung mit Park in Diyarbakir. Foto: IPPNW

Ich bin seit Mittwochabend wieder in Deutschland. Der Rückflug ließ sich bei Turkish Airline problemlos umbuchen, obwohl es zunächst hieß, dass eine Ausreise frühestens am 17. April wieder möglich sein würde. Am Flughafen in Hamburg gab es außer der normalen Passkontrolle keinerlei Befragungen oder Temperaturmessungen.

Ein paar Schlaglichter zum Schluss:
Corona war kein Thema, bis Präsident Erdogan aus Brüssel zurückkam und erste Krankheitsfälle bekannt wurden. Danach stiegen Angst, Panik, Verschwörungstheorien und Hamsterkäufe sprunghaft an und es gab nur noch dieses eine Thema. Die Menschen haben kein Vertrauen in die Maßnahmen der Regierung. Die besondere Bedrohung der Armen, der Flüchtlinge in den Camps und der Menschen im Kriegsgebiet wurde nur in der Ärztekammer thematisiert und auch die Situation der Gefangenen in den überfüllten Gefängnissen. Weiterlesen

Wir strecken unsere Friedenshand aus

Co-Bürgermeister Kandidatin Nülüfer Elik Yilmaz aus Kiziltepe

Co-Bürgermeister Kandidatin Nülüfer Elik Yilmaz aus Kiziltepe

In Kiziltepe landen wir mitten im Trubel des Wahllokals. An Tischen mit lila Tischddecken und unter kreuz und quer durch den Raum gespannten HDP-Fahnen nehmen sich beide Kandidat*innen für die Bürgermeister*innenwahl und einige Aktivist*innen der Partei Zeit für uns. Es beeindruckt uns, dass hier mittem im Trubel aus Fernsehlärm und Besucher*innen des Wahllokals ein so konzentriertes, kompaktes Gespräch möglich ist.

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Newroz in Diyarbakir

Newroz-Fest in Diyabakir 2019, Foto: IPPNW

Morgens vor unserem Hotel in Diyarbakir strahlt die Sonne über die hohen Häuser in unsere Gesichter. Schnell reichen wir noch die Tube mit der Sonnencreme Faktor 50 herum. Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme für den langen Tag in der Sonne – denn wir sind auf dem Weg zum Newroz Fest. Letztes Jahr wurden die Feierlichkeiten erst ganz kurzfristig genehmigt. Die recht spontan erfolgende Mobilisierung, sehr umfangreiche und unfreundliche Polizeikontrollen, sowie strikte Verbote und Beschlagnahmung von kurdischen Symbolen führten zu einer ziemlich verhaltenen, angespannten Veranstaltung. Dies wurde durch die Geschehnisse in Afrin natürlich noch weiter verstärkt. Weiterlesen

Newroz 2018

Newroz 2018

Newroz 2018. Foto © IPPNW

Seit unserer Ankunft wurde immer wieder betont, dass das politische öffentliche Leben durch Ausnahmezustand, Berufsverbote, Inhaftierungen, Zwangsverwaltung, Dekrete, Repressionen und Überwachung vernichtet wurde. Auch die kurdische Identität wird in der Öffentlichkeit geleugnet, wenn weder Fahnen, noch Embleme oder demonstrative Farben erlaubt sind. Als öffentliche Aktion wurde seit dem Putsch an allen Orten nur der 8.3. gefeiert. Auf Newroz aber würde niemand verzichten – erlaubt oder nicht. So war die Ansage bei all unseren Gesprächen.

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