WHO befasst sich mit Folgen eines Atomkrieges

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Besorgt über die wachsende nukleare Bedrohung prüft die WHO die gesundheitlichen Auswirkungen eines Atomkriegs

In der durch den anhaltenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine und die israelische Aggression gegen den Gazastreifen stark angespannten Stimmung ist die Angst groß vor dem Einsatz von Atomwaffen. Lange behandelten die Menschen rund um den Globus, die Notwendigkeit der Abschaffung von Atomwaffen herablassend. So beschäftigten sie sich kaum mit dem Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (AVV). Und das, obwohl der Vertrag 2017 von einer überwältigenden Mehrheit der Delegierten in der UN-Generalversammlung mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen wurde. Aber jetzt, da die Angst vor der nuklearen Bedrohung zunimmt, werden die Menschen für die Notwendigkeit nuklearer Abrüstung sensibilisiert. Gerade auch in Südasien spüren sie nach dem jüngsten kurzen Krieg zwischen Indien und Pakistan die nukleare Gefahr.

Vor diesem Hintergrund ist es heute umso wichtiger, die Menschen über die Zerstörung aufzuklären, die ein atomarer Schlagabtausch verursachen könnte. Studien warnen davor, dass ein atomarer Krieg zwischen Indien und Pakistan über zwei Milliarden Menschen dem Risiko von Hunger und Tod aussetzen könnte. Laut einer globalen Studie unter der Leitung von Klimatolog*innen der Rutgers University, die die Ernteerträge nach einem Konflikt errechnet, würden nach einem umfassenden Atomkrieg zwischen den USA und Russland mehr als fünf Milliarden Menschen an Hunger sterben. „Die Daten sagen uns eines: Wir müssen verhindern, dass es jemals zu einem Atomkrieg kommt“, sagte Alan Robock, ein angesehener Professor für Klimawissenschaften in der Abteilung für Umweltwissenschaften an der Rutgers-New Brunswick und Mitautor der Studie. Lili Xia, eine Assistenzprofessorin an der Fakultät für Umwelt- und Biowissenschaften, ist die Hauptautorin der Studie, die in der Zeitschrift Nature Food veröffentlicht wurde (1).

Unter diesen Umständen ist eine fundierte Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dringend erforderlich, um die früheren Studien zu untermauern. Die WHO hat bereits in der Vergangenheit die Auswirkungen eines Atomkriegs auf die öffentliche Gesundheit eingehend untersucht und sich dabei auf die verheerenden Folgen für die Gesundheitsdienste und die Umweltgesundheit konzentriert. Sie erstellte mehrere Berichte, die diese Auswirkungen dokumentieren, darunter einen Bericht von 1987 mit dem Titel „Effects of Nuclear War on Health and Health Services“ (Auswirkungen eines Atomkriegs auf die Gesundheit und das Gesundheitswesen) und einen Bericht von 1993 über die Auswirkungen von Atomwaffen auf Gesundheit und Umwelt. Zu den wichtigsten Ergebnissen der WHO-Studien gehören: massive Opferzahlen und langfristige gesundheitliche Auswirkungen, Umweltzerstörung einschließlich radioaktiver Verseuchung sowie psychologische und soziale Effekte.

Die Weltgesundheitsversammlung (WHA), das oberste Entscheidungsgremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat auf ihrer jüngsten Tagung vom 19. bis 27. Mai 2025 in Genf die WHO beauftragt, den 30 Jahre alten Bericht über die gesundheitlichen Auswirkungen eines Atomkriegs zu aktualisieren – nach einer hitzigen Debatte. Die Resolution dazu wurde hauptsächlich von den Marshallinseln, Samoa und Vanuatu vorgeschlagen, mit maßgeblicher Unterstützung von Mikronesien und Kasachstan – und schließlich von 34 Ländern eingebracht. Von den 181 Stimmberechtigten wurde die Resolution mit 86 Ja-Stimmen, 28 Enthaltungen und 14 Gegenstimmen angenommen. 53 Länder haben sich nicht an der Abstimmung beteiligt. (…)

Die Erneuerung der Studie ist auch deshalb so wichtig, weil die Zerstörungskraft der Atomwaffen seit 1945 um ein Vielfaches zugenommen hat. Das Wissen um die humanitären Folgen des Einsatzes von Kernwaffen kann ein Warnsignal sein, das die Welt dazu veranlasst, über eine vollständige Abschaffung nachzudenken. Geschieht dies nicht, besteht die Gefahr, dass sich weitere Länder dem atomaren Wettrüsten anschließen. Es wäre naiv zu glauben, dass Atomwaffen nur bei neun Ländern verbleiben werden, wenn sie nicht jetzt abgeschafft werden. (…)

Es ist sehr erfreulich, dass sich mehrere Nichtregierungsorganisationen intensiv dafür eingesetzt haben, dass die Resolution in der WHA debattiert wird. Das Genfer Büro der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Die IPPNW hat in verschiedenen Foren mehrfach davor gewarnt, dass es im Falle eines nuklearen Konflikts kein medizinisches Heilmittel gibt und ein nuklearer Konflikt zwischen den Großmächten die letzte Pandemie sein könnte.

Dr. Arun Mitra ist praktizierender HNO- Chirurg in Ludhiana, Punjab. Er ist auch Präsident der Indischen Ärzte für Frieden und Entwicklung (IDPD).

Quellen:
1. https://www.rutgers.edu/news/nuclear-war-would-cause-global-famine-and-kill-billions-rutgers-led-study-finds
2. https://united24media.com/latest-news/uk-must-help-ukraine-regain-nuclear-arms-retired-british-commander-says-8787