„Ein neues Klima für den Frieden“

Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung „Klimawandel bekämpfen. Gewalt verhindern“. Plakat: FES

Am 21. September kamen drei interessante Sprecher*innen zusammen um am Weltfriedenstag unter dem Motto „Klimawandel bekämpfen.Gewalt verhindern“ über die Zusammenhänge zwischen Klimaveränderungen und Krieg zu diskutieren. Thema war zudem die Rolle der Vereinten Nationen in Anbetracht ihres 75. Geburtstages, die Versicherheitlichung des Klimadiskurses und die Lehren, die wir aus der Covid-19 Pandemie ziehen können.

Eingeladen waren Prof. Dr. Conrad Schetter (Bonn International Center for Conversion, Mitherausgeber des Friedensgutachtens 2020), Birgit Sippel (Mitglied des Europäischen Parlaments) und Dr. Koko Warner (United Nations Climate Change Secretariat). Durchgeführt wurde die Veranstaltung im Rahmen der Bonner Friedenstage, moderiert hat Christoph Bongard (Plattform Zivile Konfliktbearbeitung).

Neben dem ausgezeichneten Zeitmanagement bleibt ein Umstand hängen: sowohl die Entstehung als auch die Folgewirkungen des Klimawandels sind so verzweigt, dass sie schier nicht separat betrachtet werden können. Daher ist es auch nicht sinnvoll, gewaltsame Konflikte in Folge von Klimaveränderungen analysieren zu wollen ohne über Lieferkettengesetzt, Degrowth, Abschottungspolitik und eine Stärkung des Multilaterismus zu sprechen. Überhaupt warnte Prof. Schetter vor dem etwas polemischen Begriff des „Klimakrieges“ (und man möchte „Klimaflüchtling“ dem zur Seite stellen): „Der Klimawandel spitzt Konflikte zu, wie wir sie aushandeln, ist Aufgabe der Gesellschaften“. Einen Kausalzusammenhang zwischen Klimaveränderungen und Krieg herzustellen sei auf Grund der Datenlage nicht geboten, entlasse die Gesellschaft aus der Verantwortung und übersehe zudem, dass Ressourcenknappheit prinzipiell auch zu Kooperation führen könne, Beispiel Wasserdiplomatie.

Der Klimawandel ist schon jetzt spürbar auch in Deutschland. Es sind aber global und regional Menschen in unterschiedlicher Weise betroffen. Frau Sippel schilderte, dass es auch innerhalb der EU nun darum gehen wird, Lösungen für alle gut zu gestalten. Dabei beschwor die Parlamentarierin ein Umdenken im Alltag „ohne den Gürtel enger zu schnallen“ und „ohne Verlust an Lebensqualität“. Wünschenswert mag das klingen, aber es bleibt doch zutiefst fraglich, wie sehr das der Realität entsprechen kann.

Pessimistischer dahingehend war die Einschätzung von Prof. Schetter, der eine zunehmende Militarisierung der Klimapolitik beobachtet. Ganze Weltregionen und insbesondere Afrika, würden nicht als Partner auf Augenhöhe und mit Zukunftspotenzial gesehen, sondern als Sicherheitsrisiko. Nachhaltigkeit werde nicht für alle, sondern für wenige auf Kosten vieler umgesetzt.

Wie absurd ist diese Argumentation, die auch deutsche Politiker*innen und Militärstrateg*innen vertreten. Mehr in das Militär und den Sicherheitsapparat zu investieren, in eine Industrie die per se Unmengen an Ressourcen verbraucht, die die katastrophalen menschlichen und Umweltauswirkungen, die im Kriegsfall entstehen, in Kauf nimmt. Und die Mittel bindet (2019 1.917 Mrd $ für globale Rüstungsausgaben), die nicht bereit stehen für die Umsetzung einer sozialen und nachhaltigen Klimapolitik.

Erschreckend, wenn auch nicht neu, ist dann die Erkenntnis, dass die Bereitschaft zu internationaler Kooperation eher abnimmt. Dem kann auch die UN, mit ihren strukturellen Problemen, nicht wirksam etwas entgegensetzen. Dr. Warner blickt dennoch hoffnungsvoll auch auf die Lehren, die sie aus der Covid-19 Pandemie zieht: Gesellschaften, in denen Wissenschaft und der Umgang mit Fakten trotz Dissens wegweisend sind, die gut vernetzt und koordiniert handeln können und einen konstruktiven zivilen Diskurs zulassen, sind auf die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser vorbereitet als andere.

Wir fordern daher, dass wir nach dem Ausnahmezustand NICHT zum business-as-usual zurückkehren. Dass wir diese Lehren beherzigen und umsetzen auch in Bezug auf die so viel komplexere Klimakrise. Dass wir ein Leben in Frieden und innerhalb der ökologischen Grenzen dieses Planeten für ALLE möglich machen, die jetzt leben und die nach uns kommen.

Aus dem Grund gehen wir heute gemeinsam mit Mitgliedern der Berliner IPPNW-Regionalgruppe beim Globalen Klimastreik, am 25. September 2020, auch bei Regen auf die Straßen!

Laura Wunder ist Mitarbeiterin in der IPPNW Geschäftsstelle in Berlin im Bereich Soziale Verantwortung und Frieden.

Ein Gedanke zu „„Ein neues Klima für den Frieden“

  1. Wegen der ungeheuren Ausgaben für das Militär sollten wir die Kooperation mit den Kirchen suchen, die im Moment auf Friedenskurs sind: Ralf Becker sagte im Interview mit Clemens Ronnefeld in diesen Tagen, dass das Militär wissenschaftlich erwiesen untauglich zur Lösung von Konflikten ist. https://helmutkaess.de/Wordpress/kirche-und-frieden/ und https://www.youtube.com/watch?v=2l7jT3t2Nho&feature=youtu.be Die ungeheuren Ausgaben sind in den Sand gesetzt und fehlen für die wirkliche Konfliktlösung, die in erster Linie durch Gespräche zu erreichen ist.

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