Ein kurzer Ausflug nach Ben Gurion

Ben Gurion International Airport Terminal 1

Ben Gurion International Airport Terminal 1; CC BY-SA 3.0 Wikimedia Commons

Palästina-Israel-Begegnungsreise: Die letzten Tage bevor es losging, galt es doch noch eine Menge vorzubereiten. Das Programm war an manchen Punkten nicht wie ursprünglich geplant zu realisieren und aufgrund der Raketenangriffe aus Gaza waren einige Teilnehmer*innen doch etwas beunruhigt.

Durch die bevorstehenden Wahlen eskalierte der sprachliche Diskurs in Israel:. „Wir werden die C-Gebiete annektieren. Israel ist nicht das Land für alle Menschen, es ist das Land für die Juden“. Wie werden die Palästinenser*rinnen reagieren, wenn das Recht des Stärkeren in dieser Form weiter demonstriert wird?

Am Sonntagmorgen, 31. März 2019, trafen alle 28 Teilnehmer*innen, die über Frankfurt flogen, in freudiger Erwartung im Flughafen am Gate ein. Nach einem ruhigen Flug landeten wir pünktlich am israelischen Flughafen Ben Gurion. Ich wurde von den Grenzbeamten gleich nach zwei Fragen in den Wartebereich vor der Spezialbefragung geschickt. Dort fiel mir auf, dass noch weitere Mitglieder aus der Gruppe auf der anderen Seite der Wartehalle festgehalten wurden. Nun hieß es erst einmal abwarten. Einer nach dem anderen wurde hineingerufen und kam wieder heraus. Währenddessen wartete ich weiter. Schließlich wurde ich in einen anderen Raum gebracht, offensichtlich war das nicht die Border Control. Mich befragte ein Mann in Zivil, drahtiger Typ, grauer Pullover, graue Hose. Er fragte, ob ich die Leiterin der Gruppe sei. Er gab vor, die IPPNW nicht zu kennen, schaute dabei in seinen Computer, fragte scheinbar völlig ungeordnet, sprunghaft und kam immer wieder auf die gleichen Fragen zurück. Er hoffte wohl, mich in Widersprüche zu verwickeln. Immer wieder ermahnte er mich, ich solle nicht lügen, sonst würde er mich und meine Gruppe nach Hause schicken. Gezielt fragt er nach „pax christi“, „EAPPI“, „Stop the Wall“.

Ich erzählte ihm immer wieder, dass wir eine Gruppe von Ärzt*innen seien, dass wir uns neben touristischen Zielen für die Situation der Palästinenser*innen unter der Besatzung interessieren würden und dass besonders die gesundheitliche Situation und die medizinische Versorgung für uns interessant sei. Plötzlich fragte er: “Warum wollt ihr Israel zerstören?“ Ich erklärte ihm, dass wir im Gegenteil sehr um Israel besorgt seien, und dass ich der Meinung sei, dass wir als Deutsche aufgrund unserer Vergangenheit eine besondere Verantwortung gegenüber Israel hätten und ich mich daher besonders für Frieden im Nahen Osten einsetzen würde. Israel lebe als kleines Land mitten in einer feindlichen Umwelt; nur wenn es Frieden mit seinen Nachbarn schließe, könne Israel langfristig überleben. Und dieser Frieden mit den Nachbarn müsse mit dem Frieden mit den Palästinenser*innen beginnen. Ich erklärte ihm noch, dass wir nur Kontakte zu gewaltfreien Gruppen hätten, weil wir wüssten, dass Gewalt immer nur mehr Gewalt hervorrufe. Plötzlich sah er mich an und sagte: „You are not a Tourist, you are an activist!“ Ich antworte ihm noch, wenn er damit meine, dass ich mich gewaltfrei für den Frieden einsetze, dann sei ich mit dieser Bezeichnung einverstanden.

Er schickte mich aus dem Raum, er müsse überlegen, was er mit mir mache. Nach einer weiteren halben Stunde, kam er mit der Nachricht wieder, dass ich abgeschoben werde, die Gruppe aber einreisen dürfe. Komischerweise war ich erst einmal froh, dass die Gruppe rein gelassen wurde. Ich hatte wahrscheinlich damit gerechnet, dass ich abgeschoben würde. Nach einer weiteren längeren Wartezeit in einem bewachten Bereich, indem ich nichts mehr ohne Begleitung machen durfte, wurde ich mit einem vergitterten Gefangenentransport in ein Abschiebegefängnis gebracht. Dort verbachte ich fünf Stunden mit sechs weiteren Frauen, mit denen ich mich nicht verständigen konnte. Sie alle kamen aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Die Frauen waren aber recht fröhlich und hatten Galgenhumor, sodass mir die Zeit in der kalten dreckigen Zelle nicht gar so lang wurde. Am nächsten Morgen wurden wir wieder unter größter Bewachung zum Flughafen gebracht.

Am Flugzeug wurden wir vom Flugkapitän mit Handschlag begrüßt, der uns auch fragte, ob wir freiwillig mit ihm fliegen wollten. Ich sagte ihm, dass ich nur so schnell wie möglich von hier fort wolle. In Frankfurt überraschten mich meine beiden Kinder am Flughafen, die sich Sorgen gemacht hatten, ob ich wie versprochen sofort abgeschoben werde oder ob sie noch in israelischen Gefängnissen nach mir suchen müssten.

Dr. Sabine Farrouh ist Vorstandsmitglied der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges e.V. (IPPNW)

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