Never whisper in the presence of wrong! Abschied von Bernard Lown

Bernard Lown. Foto: IPPNW

Bernard Lown. Foto: IPPNW

Bernard Lown, einer der Gründer, langjähriger Präsident und Motor der IPPNW ist am 16. Februar 2021 im Alter von 99 Jahren in seinem Haus in Boston verstorben. Er war ein Visionär, der sowohl in der Medizin als auch in der Politik Geschichte geschrieben hat. Als Professor der Kardiologie der Harvard-Universität in Boston leistete er wegweisende Arbeit zur Erforschung und Behandlung von Herzrhythmusstörungen und war wesentlich an der Entwicklung des Defibrillators beteiligt. 1985, fünf Jahre nach Gründung der IPPNW, nahm er gemeinsam mit seinem Co-Präsident Evgenij Chazow aus der damaligen UdSSR den Friedensnobelpreis entgegen.

Vor 30 Jahre stellte er uns in Stockholm das „IPPNW-Dreieck“ vor. Damit illustrierte er die fundamentale Verbindung zwischen Armut, Umweltzerstörung und Krieg. Bernard Lown hat Krieg als Krankheit verstanden und den Atomkrieg als ihre extremste Form. Er erklärte uns, dass wir die Ursachen verstehen müssen, um Kriege zu verhindern. Und auf einem Kongress in Montreal 1988 sagte er: „Wenn wir uns durchsetzen wollen, dürfen wir in Gegenwart von Herausforderungen niemals delegieren und in Gegenwart von Unrecht niemals flüstern“. Never whisper in the presence of wrong!

In seiner Rede auf dem IPPNW-Weltkongress 2010 in Basel bezeichnete er das Nord-Süd-Gefälle als ausschlaggebend für den „Nuklearismus“. Er war überzeugt, dass die Überwindung der nuklearen Bedrohung nur gelingen kann, wenn die Ungleichheit auf unserem Planeten abnimmt, anstatt immer weiter zu wachsen.

Auf die Nachricht von seinem Tod haben viele Kolleginnen und Kollegen mit persönlichen und bewegenden Worten reagiert. Ein paar wenige davon möchte ich hier zitieren:

Sergey Kolesnikov, Russland: Wir haben den Vater unserer Bewegung verloren. Möge er in Frieden ruhen.

Sue Wareham, Australien: Wir haben einen echten Giganten verloren, einen jener Menschen, die einen unauslöschlichen historischen Abdruck in der Welt hinterlassen haben.

Ilkka und Vappu Taipale, Finnland: Seine Einstellung war es, dass nichts unmöglich zu erreichen ist, wenn die Menschen sich genug engagieren.

Ira Helfand, USA: Der beste Tribut, den wir anbieten können, ist, unsere Arbeit fortzusetzen und die Welt endlich von Atomwaffen zu befreien. IPPNW hat in den 1980er Jahren geholfen, die Welt zu retten. Lasst es uns wieder tun.

Daniel Bassey, Nigeria: Wir alle haben einen Vater und eine Quelle der Weisheit verloren. Seine gütige, vorbildliche Führung und seine Leidenschaft, die Welt zu einem friedlichen Ort zu machen, werden noch lange nach seinem Weggang weiter wirken.

Carlos Umaña, Costa Rica: Unsere gemeinsame Arbeit, während wir weiterhin seine Mission, unsere Mission, ausführen, wird für immer von der Weisheit dieses einzigartigen Mannes zeugen.

Arun Mitra, Indien: Mit ihm hat die Welt einen visionären und kraftvollen engagierten Kämpfer für Frieden und nukleare Abrüstung verloren.

Ernesto Kahan, Israel: Unser Baum ist traurig, denn Berny war ein schöner Baum. Seine Blätter, wir, sind traurig, sehr traurig.

Und schließlich Ulrich Gottstein, der zusammen mit seiner Frau Monika Gottstein über all die Jahrzehnte einer der engsten Begleiter Bernard Lowns im Kampf gegen die atomare Bedrohung war: „Ich hatte Angst, mich in die Politik einzumischen, aber Lown überzeugte mich, dass Ärzte sich nicht nur um ihre einzelnen Patienten kümmern dürfen, wenn eine vernichtende Epidemie, ein Atomkrieg, droht.“

Ich selbst empfinde ihm gegenüber in erster Linie Dankbarkeit. Nicht nur hat er die Bedrohung durch einen Atomkrieg laut ausgesprochen, sondern er hatte den Mut und die Größe, etwas dagegen zu tun. Niemand weiß, ob es uns ohne seinen Einsatz noch gäbe.

Zuletzt habe ich ihn 2018 besucht. Auch in seinem hohen Alter war er äußerst präsent, schlagfertig und voller optimistischer Energie. Sein scharfer Verstand und seine immense Erfahrung werden uns fehlen.

Der wieder zunehmenden Gefahr eines verheerenden Atomkrieges galt bis zuletzt seine Sorge und sein Engagement. Erst im Januar hat er im New England Journal of Medicine einen dringenden Appell an uns Ärztinnen und Ärzte veröffentlicht, in dem er zur aktiven Unterstützung des Atomwaffenverbotsvertrages auffordert.

Es ist nun an uns, dieser Aufforderung nachzukommen und gleichzeitig das umfassende Verständnis ärztlicher Verantwortung, das Bernard uns immer vermittelt hat, umzusetzen.

Zuerst erschienen in IPPNW-Forum 165/2021.

Dr. Helmut Lohrer ist International Councillor der deutschen IPPNW.

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