„Für Eure Kriege zahle ich nicht“ – 20-tägige Erzwingungshaft in der JVA Bützow

Elu IskeniusWegen meiner Weigerung, ein Bußgeld von 500 Euro einfach an die Staatskasse abzuführen und stattdessen lieber dieses Geld für die Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern, -entziehern und Deserteuren an die Organisation Connection e. V. zu spenden, ganz nach dem Motto: „Für Eure Kriege zahle ich nicht“ soll ich nun für 20 Tage in Erzwingungshaft.

Zur Erinnerung: Am 18. September 2020 betraten wir mit fast 30 Personen Europas modernsten Kriegsübungsplatz. Der Truppenübungsplatz in der Altmark mit der Übungsstadt Schnöggersburg, einer Geisterstadt zum Häuserkampf üben mit Hochhäusern, kleinen Einfamilienhäusern, einem künstlichen Fluss, einer Kirche, einer Moschee, einem Museum (leer), einem Flughafen und 1,8 km Autobahnpiste ist Europas modernster Truppenübungsplatz, durch den alle Soldat*innen als Vorbereitung auf ihre Auslandseinsätze durch müssen. Weiterlesen

Das „Neue Denken“ Gorbatschows – eine verpasste Chance für die nukleare Abrüstung und dauerhaften Feindbildabbau

Von links: Mitbegründer der IPPNW Dr. Evgueni Chazov und Dr. Bernard Lown mit Mikhail Gorbatschow 1987.

Von links: Mitbegründer der IPPNW Dr. Evgenij Chazov und Dr. Bernard Lown mit Mikhail Gorbatschow 1987.

„Ein Frieden, der auf Abschreckung durch Atomwaffen beruht, ist brüchig und gefährlich. Der Versuch, ihn durch immer neue Aufrüstung zu stärken, sei es am Boden oder im Weltraum, geht in eine Richtung, die den Interessen des Friedens zuwiderläuft“. (Grußbotschaft von Michail Gorbatschow zum 7. IPPNW-Weltkongress 1987 in Moskau)

Michail Gorbatschow ist am 30. August 2022 im Alter von 91 Jahren gestorben. Er war ein großer Staatsmann, der die Welt veränderte. Sein Handeln hat in großen Maßen zur Freiheit der ehemaligen sowjetischen Republiken, nuklearer Rüstungskontrolle und den Fall der Berliner Mauer beigetragen. Aber auch für die Gesundheit und das Überleben zahlreicher Menschen hat Michail Gorbatschow einen großen präventiven Beitrag geleistet. Seiner Mitverantwortung in diesem Bereich immer bewusst, setzte er sich dafür ein, Atomtests zu verbieten und Atomwaffen abzuschaffen. Weiterlesen

Atomwaffen oder Ethik

Rede auf dem Anti-Atomwaffen-Spaziergang am Fliegerhost Büchel

Friedensaktivist*innen spazieren um den Atomwaffenstützpunkt Büchel, 09.07. 2022. Foto: E. Börger

Liebe Mitstreitende und Aktivistis, ich wurde gebeten, hier im Angesicht eines Atomwaffenstützpunktes etwas über Atomwaffen und Ethik zu sagen. Ich muss zugeben, dass mir das sowohl emotional als auch gedanklich schwerfällt. Emotional ist es schwer, weil einerseits dieser Zaun in seiner dünnen Durchsichtigkeit das von ihm verborgene Gewaltpotential nicht recht darstellen kann, eigentlich vergleichsweise harmlos wirkt; und andererseits, weil das Bewusstsein über die apokalyptische Funktion dieser Anlage eigentlich verbietet, sie mit Reden zu ehren, sondern eher Ächtung und Widerstand herausfordert. Dazu kommt außerdem die gedankliche Schwierigkeit, dass diese emotionale Verwirrung auch aus der Entfernung allenfalls verdrängt, nicht aber wieder gänzlich geordnet werden kann. Die Möglichkeit, durch menschliches Handeln, oder sogar einfach durch tadellosen Dienst nach Vorschrift vom einen
auf den anderen Moment eine menschliche Apokalypse einläuten zu können, ist in einer absurden Weise grauenvoll. Und dieses absurde Grauen stört jede nüchterne Überlegungbei manchen sogar so weit, dass sie es für einen Frieden im Gleichgewicht des Schreckens halten.
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Lasst uns Atomwaffen abschaffen, bevor sie uns abschaffen!

Aktion vor der deutschen Botschaft, Wien. Foto: Xanthe Hall

Aktion vor der deutschen Botschaft, Wien. Foto: Xanthe Hall

21. Juni 2021

Heute war der erste Tag der ersten Konferenz der Vertragsstaaten des Atomwaffenverbotsvertrags, den am Vortag drei weitere Staaten ratifiziert haben: Grenada, Timor Leste und die Kapverdischen Inseln. Um Deutschland zu inspirieren, es ihnen gleich zu tun, organisierte die deutsche ICAN-Delegation morgens vor der Konferenz einen Staffellauf von der deutschen Botschaft zur UNO. Dabei symbolisierte ein Staffelstab mit der Aufschrift „Atomwaffenverbotsvertrag“ den unterschriebenen Vertrag. Bei der Konferenz waren neben Vertreter*innen der Mitglieds- und Unterzeichnerstaaten auch Beobachter*innen aus Deutschland, der Schweiz, Finnland, Schweden, Norwegen, Belgien und den Niederlanden vertreten. Die Konferenz startete mit einer Ansprache des österreichischen Botschafters und designierten Präsidenten der Konferenz, Alexander Kmentt, der die herausragende Bedeutung des Vertrags und seiner Umsetzung für das Fortbestehen der Menschheit betonte. Weiterlesen