Wir verurteilen den bewaffneten Angriff

Gemeinsame Erklärung der IPPNW-Sektionen Israel – Palästina

Unsere beiden Organisationen verurteilen den bewaffneten Angriff auf mit humanitären Hilfsgütern beladene Schiffe auf dem Weg nach Gaza, der in internationalen Gewässern stattfand, und wir betrauern gemeinsam die Toten, die in Folge dieses Angriffs ihr Leben verloren haben.

Als Ärzte stimmen wir darin überein, dass die Gesundheit der Bevölkerung Gazas in hohem Maße besorgniserregend ist und dass dringend medizinische Hilfe benötigt wird.

Wir fordern gemeinsam eine internationale Untersuchung dieses Vorfalls und ein sofortiges Ende der Gaza-Blockade.Wir appellieren an die Führung Israels und Palästinas, in ernsthafte Verhandlungen miteinander einzutreten und dies mit dem aufrichtigen Willen zu tun, eine gewaltfreie und friedliche Lösung des Israel-Palästina-Konflikts herbeizuführen.

Gemeinsame Erklärung der Palestinian Physicians For the Prevention of Nuclear War (PPPNW) und der Israeli Physicians For Peace and the Preservation Of The Environment (IPPPE) Sektionen der International Physicians For the Prevention of Nuclear War (IPPNW)

Dr. Abdelaziz Alabadi, MD — President, PPPNW, Palestine
Prof. Ernesto Kahan M.D. — President and Councilor, IPPPE, Israel
Dr. Mustafa Ghanim, MD, PhD— External Relations, PPPNW, Palestine
Dr. Ra’anan Friedmann M.D., Ph.D. — Vice President, Vice Councilor and Spokesman, IPPPE, Israel

Interview mit Norman Paech

Neues Leben: Sie waren an Bord des türkischen Schiffes „Mavi Marmara“. Wie haben Sie den Überfall der israelischen Soldaten auf den Hilfskonvoi erlebt?

Prof. Dr. Norman Paech: Mich haben heftige Detonationen und Explosionen aufgeweckt, die ich gar nicht lokalisieren konnte. Ich bin aufgesprungen und habe mich angezogen. Und dann kam schon mein Mitreisender Nadel El Sakar auf mich zu und sagte „Die Israelis sind um uns, seit zehn Minuten werden wir von Schlauchbooten mit Soldaten umkreist.“ Wir hörten Schüsse oben auf dem obersten Deck und auch Lärm, offensichtlich von Hubschraubern. Es wurden schon bald israelische Soldaten heruntergetragen, die entwaffnet worden waren und noch Kleidung an hatten. Sie wurden in den Raum getragen, der wie ein Lazarett ausgestattet war, damit dort mögliche Verwundete behandelt werden konnten. Diese Soldaten schienen mir, bis auf einen, nicht verwundet zu sein. Ich habe kein Blut bei ihnen gesehen und habe das mit meinem Fotoapparat dokumentiert.

Interview mit Norman Paech in der türkischen Zeitung Günlük Evrensel Gazetesi

Wie im Krieg

Israels Handlung war ein absolut rechtswidriger Angriff auf ein Hilfsschiff mit über 500 ZivilistInnen, ein Akt der Piraterie mit anschliessender Entführung. Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen keine Gewalt, wir sind eine friedliche Mission und transportieren ausschliesslich zivile Güter. Wir wollten auf die Abriegelung des Gazastreifens durch Israel und die seit Jahrzehnten von der internationalen Staatengemeinschaft tolerierte menschliche Tragödie aufmerksam machen. Wir wollten den eingeschlossenen PalästinenserInnen Hoffnung geben. Wir hatten damit gerechnet, dass die Israelis unser Boot abdrängen, umleiten, aber nicht, dass das israelische Militär uns so brutal überfällt. Immerhin waren wir eine Delegation aus dreissig Nationen, darunter Personen des öffentlichen Lebens, Parlamentsabgeordnete, Friedensnobelpreisträgerinnen und Schriftsteller.

Es war noch Nacht und wir waren in internationalen Gewässern. Wir hörten Hubschrauber und Detonationen, israelische Elitesoldaten seilten sich von Hubschraubern auf das Schiff ab. Am Ende waren sechzehn von uns tot und über fünfzig verletzt, einige kämpfen noch immer um ihr Leben. Alle wurden mit Kabelbindern gefesselt und wir mussten uns an Deck in einer Reihe hinknien. Ich hatte sofort alles mit meiner Kamera gefilmt, wie auch andere von uns. Aber es wurde uns alles abgenommen. So gibt es nur Bilder aus israelischen Quellen. Es ist wie im Gazakrieg: Die Bilder-, Ton- und Berichtshoheit liegt bei der israelischen Regierung.

Landung in Schönefeld

Matthias Jochheim (IPPNW), Norman Paech, (Beirat IPPNW), Nadel El Sakka (Palästinensiche Gemeinde Deutsche), Inge Höger und Annette Groth (Die Linke) sind um 9.44 Uhr am Flughafen Schönefeld gelandet.

Über einen Pressetermin wird zeitnah informiert.