Besuch bei der Ärztekammer von Diyarbakir

Besuch in der Ärztekammer von Diyarbakir. Foto: IPPNW

Mahmut Ortakaya ist gekommen, obwohl er sicherlich zur Corona-Risikogruppe gehört. Wir sitzen zu fünft im vertrauten Raum unter seinem Spruch: „An Gesundheit und Freiheit darf man nicht sparen“. Er verrät uns den 2. Teil: „Wenn man an der Gesundheit spart, führt es zum Tod, wenn man die Freiheit einschränkt, führt es in Gefangenschaft“.

Ich frage nach NÜSED, der türkischen IPPNW-Sektion. Herr Ortakaya winkt ab, obwohl er ein Gründungsmitglied ist. Seit die Mitglieder aus Ankara ihre kurdischen Kollegen als Separatisten angezeigt haben und auch die Bemühungen der internationalen IPPNW keine Lösung herbeiführen konnten, haben sie die Beziehungen abgebrochen. NÜSED sei ein bürokratischer Verein alter Leute, die keine Wirkung in die Gesellschaft hinein entfalten können, weil sie sich nicht klar gegen den Krieg aussprechen würden. Weiterlesen

Abschied von der Türkei

Bei der IHD in Ankara

Bei der IHD in Ankara. Foto © IPPNW

Die Reisegruppe ist am Wochenende wieder sicher in Deutschland angekommen. Unsere Gedanken sind bei den Menschen, die wir zurück gelassen, die wir mit unserem Besuch möglicherweise zusätzlich in Gefahr gebracht haben. Am Tag vor dem Newroz-Fest wurden der Präsident der Ärztekammer Diyarbakir und zwei leitende Mitglieder der Gesundheitsgewerkschaft SES verhaftet. Sie sind zwar wieder auf freiem Fuß, sehen sich aber mit einer weiteren Anklage und langwierigen Gerichtsverhandlung konfrontiert.

Wir hatten noch interessante Gespräche in Diyarbakir und Ankara vor unserer Abreise. Besonders das Treffen mit Serra, einer Empfehlung von Herrn Schmalstieg, war eine große Bereicherung. Sie lebt mit ihrer Familie seit 2006 in Diyarbakir, war als Mitglied der HDP im Stadtparlament bis zu ihrer Entlassung im Rahmen der Zwangsverwaltung. Weiterlesen

Luftholen zwischen Machtdemonstrationen und Trümmerfeldern

Jahrestreffen der Ärztekammer Diyarbakir mit Verleihung des Friedenspreises

Jahrestreffen der Ärztekammer Diyarbakir mit Verleihung des Friedenspreises. Foto © IPPNW.

17. März 2018: „Weiter mit dem feierlichen Marsch!“ ist der Slogan unter dem Erdogan heute in Diyarbakir sprechen wird. Porträts, AKP Wimpel und die massive Staatsbeflaggung an Einfahrtstraßen und öffentlichen Gebäuden hängen schon seit ein paar Tagen. Oppositionelle Kundmachungen sind nicht erkennbar. Es gibt keine kurdischen Fahnen, keine öffentlichen politischen Parolen oder auch nur demonstrative kurdische Farben. Die früher verbreiteten Newroz Plakate sind verschwunden. Wir verstehen jetzt, die Erwiderung unserer HDP und BDP Gesprächspartner am Ankunftstag auf unseren ersten Eindruck eines ruhigen und normalen Stadtlebens: Es darf nicht mehr demonstriert werden, nur die Regierung darf das. Weiterlesen