Die Wahl zwischen wahnhaften Strategien: MAD, madder, maddest

Xanthe Hall, IPPNW-Referentin für Atomwaffen und Internationales

Xanthe Hall ist Abrüstungsreferentin der IPPNW Deutschland und Sprecherin der Kampagne “atomwaffenfrei.jetzt“

Das Setting für die Veröffentlichung des neuen Berichts der britischen IPPNW-Sektion Medact über „die wahnhafte Verkennung hinter der Politik der nuklearen Abschreckung“ (The Delusional Thinking behind a Policy of ‚Nuclear Deterrence’) war sehr passend. Zum ersten Mal befand ich mich in den hehren Hallen des britischen Oberhauses, dem „House of Lords“. Passend auch, da das Innere vom Londoner Wahrzeichen an der Themse so sehr von der englischen Realität abgeschnitten ist, dass man das Gefühl bekommt, in einem Film zu sein.

Sich im Haus zurechtzufinden ist eine Kunst für sich. An jeder Ecke im Labyrinth von Fluren stehen zwei Polizisten, die Auskünfte nur häppchenweise preisgeben: die Treppe hoch, Madam, dann links und dort noch einmal fragen; den Flur entlang bis zum Ende und dort erneut fragen usw. Fünf, sechs Mal frage ich die freundlichen Beamten, um Komiteeraum vier zu finden. Manchmal flitzen Männer im Frack über den Weg. Ich wäre wenig überrascht, wenn ich einem Elfen oder Professor Dumbledore begegnen würde. Weiterlesen

Ökozid – eine katastrophale Folge von Atomwaffen

Der „Todessee“ Lake Karachay, in der Nähe des Mayak Atomkraftwerks in Chelyabinsk, bekannt als der verseuchteste Ort der Welt. Er enthält, Berichten zufolge, genug Strahlung um einen Menschen in einer Stunde zu töten.

Der „Todessee“ Lake Karachay, in der Nähe des Mayak Atomkraftwerks in Chelyabinsk, bekannt als der verseuchteste Ort der Welt. Er enthält, Berichten zufolge, genug Strahlung um einen Menschen in einer Stunde zu töten.

Im Laufe der vielen Jahre, in denen die IPPNW versucht hat, die Öffentlichkeit über die katastrophalen Folgen von Atomwaffen aufzuklären, haben wir uns vorrangig auf die Zerstörung von menschlichem Leben und Gesundheit konzentriert. Das überrascht nicht, schließlich sind wir eine ärztliche Organisation.

Seit einiger Zeit richtet die IPPNW ihre Aufmerksamkeit auch auf die ökologischen Folgen eines Atomkrieges – insbesondere auf Klimaveränderungen. Folgen, die zunächst auf die unmittelbar betroffene Region beschränkt zu sein scheinen, die letztendlich aber Auswirkungen für den ganzen Erdball haben und damit auch auf menschliches Leben und Gesundheit. Durch die Zusammenarbeit mit den Klimaforschern Alan Robock und Brian Toon können wir zeigen, dass ein relativ „kleiner“, regionaler Atomkrieg den Hungertod von Millionen von Menschen herbeiführen kann. Wir haben dies „nukleare Hungersnot“ genannt. Weiterlesen

„We are not just starting, we are rather on the last sprint“

Dr. Lars Pohlmeier, Europäischer Vizepräsident der IPPNW

Dr. Lars Pohlmeier, Europäischer Vizepräsident der IPPNW

Die humanitäre Frage ist zentral in der Debatte um die Abschaffung der Atomwaffen. Es war nicht etwa einer der 120 Teilnehmer aus aller Welt vom ICAN-Treffen in Hiroshima, der diese These vertrat. Vielmehr eröffnete Snofrid Byrlokken Emterud als Vertreterin der Regierung Norwegens mit dieser Überzeugung die Veranstaltung.

ICAN – die „International Campaign to Abolish Nuclear Weapons“, die seit 2006 eines der zentralen Anliegen der IPPNW ist, hat sich längst über die Grenzen der IPPNW hinweg entwickelt. In Deutschland unter dem Namen „atomwaffenfrei.jetzt“ aktiv, will ICAN international eine breite Öffentlichkeit schaffen, um Regierungen in den Prozess zur Abschaffung der Atomwaffen einzubinden. ICAN, ein Baby der IPPNW, wird erwachsen. Weiterlesen

Auf nach Hiroshima

Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW

Angelika Wilmen, Pressesprecherin der IPPNW

In Kürze beginnt der 20. IPPNW-Weltkongress in Hiroshima. Die ersten Vertreter der zwölfköpfigen Delegation von Ärzten und Ärztinnen fliegen bereits am Wochenende nach Japan. Dort erwarten uns ein vollgepacktes Programm und ein schwül-heißes Klima. Das hat den 35 jungen Ärzten und Ärztinnen aus aller Welt bei ihrer Radtour von Nagasaki nach Hiroshima ganz schön zu schaffen gemacht. Die Radler werden voraussichtlich bereits am kommenden Montag in Hiroshima ankommen und dort vom Bürgermeister im Empfang genommen. Sie haben in der Hitze viele Kilometer absolviert, Berge erklommen und sich nebenbei noch über den geplanten Neubau eines Atomkraftwerks in Kaminoseki informiert, mit Politikern und Medienvertretern getroffen und Papierkraniche gefaltet.

Am Dienstag treffen sich dann Anti-Atomwaffen-Aktivisten aus aller Welt, um am historischen Ort über die Internationale Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen zu beraten. Einen Tag später startet der Studierendenkongress, bei dem die Ärztin Dr. Eva-Maria Schwienhorst einen Workshop zur ärztlichen Friedensarbeit (Medical Peace Work) halten und Katja Göbbels über gewaltfreie Kommunikation referieren wird. Am Donnerstag beginnt der eigentliche Weltkongress. Besonders interessant wird das Plenum über die gesundheitlichen Folgen von Fukushima. Auch die Debatte über die zivile Nutzung von Atomenergie mit den japanischen Kollegen und Kolleginnen erwarten wir mit Spannung. Die deutsche IPPNW hat zum Weltkongress mehrere Workshops angemeldet, unter anderem zu den Themen Niedrigstrahlung, erneuerbare Energien, zu Uranmunition sowie einen Workshop zum umstrittenen UN-Konzept der „Responsibility to Protect“.

Im Anschluss an den Kongress reist ein Teil der Delegation weiter nach Tokio, wo wir uns mit Vertretern von Anti-Atom-Initiativen und Ärzten treffen und ein Symposium zu den gesundheitlichen Folgen von Fukushima besuchen wollen. Dann fährt eine kleinere Gruppe weiter in die Präfektur Fukushima. Hier besuchen die Mediziner Gesundheitseinrichtungen und reden mit Betroffenen und Ärzten. Auf einer Pressekonferenz in Tokio werden sie der japanischen Öffentlichkeit über ihre Erfahrungen berichten.

Wir hoffen, unsere Erkenntnisse über die gesundheitlichen Gefahren von Niedrigstrahlung mit möglichst vielen Menschen in Japan teilen zu können und Kontakte zu knüpfen, die über die Japanreise hinaus Bestand haben.

Wir werden Sie über die Erlebnisse unserer Reise auf dem Laufenden halten. Schauen Sie immer mal wieder auf unserem Blog vorbei. Sayonara.

Angelika Wilmen