Ziviler Widerstand in Krisenzeiten: Ein Fazit

"Polis" - Andrew Reilly 2015 / CC BY-NC 2.0

„Polis“ – Andrew Reilly 2015 / CC BY-NC 2.0

Resümee der virtuellen Türkeireise 2021

„Physische Distanz und soziale Solidarität“ – Diese Formel gibt uns bei der diesjährigen Onlinereise unserer IPPNW-Delegation nach Ankara und in die Südost-Türkei Osman Isci vom Menschenrechts-Verein IHD aus Ankara mit auf den Weg. Unser langjähriger Gesprächspartner Metin Bakkalci von der Menschenrechts-Stiftung TIHV Ankara fasst die politische Situation der Türkei so zusammen: „Der Staat ist zerstört“.

Alle Gesprächspartner*innen in Diyarbakir/Amed heben die sprunghafte Verarmung der Bevölkerung hervor. Die Pandemie trifft auf eine schon vorhandene tiefe Wirtschaftskrise mit hoher Inflation. Besonders in den mehrheitlich kurdischen Gebieten kommen die wirtschaftlichen und sozialen Folgen staatlicher Repression aus Berufsverboten, Massenentlassungen und überfüllten Gefängnissen hinzu. „Entweder du stirbst am Hunger oder du stirbst an Corona,“ sei ein geflügeltes Wort nicht nur bei den vielen Tagelöhner*innen und Kleingewerbetreibenden geworden. Gerade Frauen im Niedrig-Lohnsektor verlieren in der Pandemie ihre Jobs und Lebensgrundlage für ihre Familien. Wie in Deutschland wurde die (Industrie)-Produktion nicht eingeschränkt. Schulen und Universitäten hingegen waren in der Türkei bis zum 31. März 2021 für ein ganzes Jahr geschlossen. Gewalt in Familien und Suizide hätten in der Pandemie zugenommen. Weiterlesen

Pandemie der Ungleichheit in der Türkei

Egitim Sen (Symbolbild). Original: son tilki / CC BY-NC 2.0

Egitim Sen (Symbolbild). Original: son tilki / CC BY-NC 2.0

Onlinebesuch bei der Bildungsgewerkschaft Eğitim Sen,
Diyarbakir, 10. April 2021

Vor unserem Treffen berichtet Christa Blum von der drohenden Abschiebung von Nazdar Ecevit aus Deutschland in die Türkei. Ecevit saß als HDP-Mitglied fünf Jahre im türkischen Gefängnis, bevor sie vor fünf Jahren in Deutschland Schutz suchte. Grund für die Abschiebung scheint schlicht, dass deutsche Behörden ihr keinen Glauben schenkten. Zur Verhinderung sind Petitionen und Proteste dringend erforderlich.

Von den 22 verhafteten Aktivistinnen nach der Razzia im Frauenverein „Rosa“ berichtet Serra, befänden sich zehn Frauen noch in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft habe eine verlängerte U-Haft gefordert. Die anderen seien unter der Auflage entlassen worden, sich wöchentlich auf der Polizeiwache zu melden. Weiterlesen

„Gewerkschaftsarbeit ist schwierig geworden“

Die Gesundheitsplattform Diyarbakir erinnert an die Covid-19-Toten und warnt vor der Überlastung des Gesundheitssystems. Bild: © Twitter SES Amed / @sesamed21, 01.04.2021  (bearbeitet)

Über die Coronapandemie in der Südosttürkei und die Arbeit der Gesundheitsgewerkschaft SES in Diyarbakir – Online-Besuch am 1. April 2021

Wir sprechen mit dem Ko-Vorsitzenden Siyar Güldiken der Gesundheitsgewerkschaft SES in Diyarbakir, einem Psychologen. Die Ko-Vorsitzende kann nicht teilnehmen, weil sie coronainfiziert und krank ist. Andere Mitglieder sind im Notdienst und lassen grüßen. Güldiken hat an den Fortbildungen teilgenommen, die die Kollegin Neşmil Ghassemlou für die Psychologen in Diyarbakir durchgeführt hat, als das noch möglich war. Er erinnert sich auch gut an frühere Besuche der Gruppe.

Herausforderung für das Gesundheitswesen

Die Pandemie ist unser erstes Thema. Die Belastungen des Gesundheitspersonals sind sehr hoch. In Diyarbakir wurde eine große Klinik als Forschungskrankenhaus für Coronapatient*innen vorgehalten. Weiterlesen